«Pädagogisches Trainingslager« beim Club

22.08.2008, 00:00 Uhr
«Pädagogisches Trainingslager« beim Club

© Sippel

Erklärbar ist es schon, warum sich die «U 17« des 1.FC Nürnberg beim verspäteten Rundenauftakt - die anderen Klubs waren bereits am vergangenen Wochenende aktiv - so schwer tat und ihren Erfolg erst mit «einer überragenden Viertelstunde zu Beginn der zweiten Hälfte« (Schellenberg) sicherte: Die Mannschaft hat einen nahezu kompletten Umbruch hinter sich. Der Großteil des Teams, das in der vergangenen Saison einen achtbaren fünften Platz belegt hatte, ist zu den A-Junioren aufgerückt. Und die Spieler, die von der «U 16« in den neuen Bundesliga-Kader übernommen wurden, trafen dort auf zahlreiche Neuzugänge von außerhalb.

28 Spieler umfasst Schellenbergs Aufgebot in dieser Saison. «In der letzten Runde haben wir gemerkt, dass unser Kader zu klein war. Deswegen wollten wir mit 23 Spielern in die Saison gehen, doch dann hat sich Sebastian Gärtner vom jüngeren Jahrgang förmlich aufgedrängt«, begründet der Coach im NZ-Gespräch das «Team-Wachstum«. Und dann standen vor drei Wochen plötzlich vier südkoreanische Juniorennationalspieler vor der Tür, die ein Jahr lang einen Sprachkurs in Deutschland absolvieren. «Sie können sich zu Verstärkungen entwickeln, einer von ihnen auf jeden Fall«, schildert der 36-Jährige die ersten Eindrücke.

Die anderen Neuzugänge waren den Club-Scouts aufgefallen. So beispielsweise Torwart Lukas Ploss, der vom FC Augsburg kam und in Ulm zwischen den Pfosten stand. «Unsere drei Torhüter sind nahezu auf Augenhöhe«, berichtet Schellenberg über Ploss, Fabian Wurm und Nikita Ribkin, der im Augenblick bei der usbekischen Junioren-Nationalelf weilt.

Manuel Bühler und Marvin Plattenhardt (beide SSV Reutlingen) sowie Marco Janz (SC Schwabach, in der Winterpause) heißen die Neuen für die Abwehr. Fabian Paradies (Rot-Weiß Erfurt) soll im Mittelfeld neben «U16«-Nationalspieler Michael Heinloth Akzente setzen. In die Sturm-Fußstapfen von Niklas Hörber wollen Jean Marc Leue (Karlsruher SC), Alberto Maric (SpVgg Greuther Fürth, Winterpause) und Liridon Krasniqi (Bayern München) treten.

«Für mich als Trainer hat die Größe des Kaders Vor- und Nachteile: Der Konkurrenzkampf ist größer, ich habe mehr Flexibilität und kann Spielern auch mal Pausen geben, wenn das schulisch nötig ist oder die Belastung durch die Berufung in Auswahlteams zu groß ist«, sagt der gebürtige Burghausener Schellenberg, der inzwischen von Peter Halenke als Assistenzcoach unterstützt wird - der bisherige «Co« Helmut Rahner wechselte zu den A-Junioren.

In Fachkreisen gilt Schellenberg, der vor seiner Rückkehr zum Club mit der «U 17« des TSV 1860 München Deutscher Meister wurde, als einer der besten deutschen B-Junioren-Trainer. Er ist ein Taktikfuchs und hat ein Händchen für junge Spieler wie kaum ein anderer. Und er geht gern neue Wege. So zum Beispiel mit dem ersten der zwei Trainingslager, die er in der Vorbereitung durchzog: «Das erste war ein ,pädagogisches Trainingslager’«, erzählt er. Da hatte er zwei Sozialpädagogen dabei, die maßgeblich am Teambuilding mitwirkten, entsprechende Übungen organisierten. «Und am Ende hatten sie für uns Trainer Tipps zu den Spielern, wer beispielsweise Verantwortung übernimmt oder sich aus der Gruppe raushält, auf wen man aufpassen muss.«

Zwei Saisonziele hat Schellenberg, der seit April beim Club auch als Koordinator der Jugendteams von der «U 15« bis zur «U 19« tätig ist, mit seinem Team: Er will die Spieler weiterentwickeln, und er strebt mannschaftlichen Erfolg an. «Beides bedingt sich ja gegenseitig«, geht er zuversichtlich in die neue Saison.

Dass deren Start etwas zerrissen ist, kommt ihm entgegen. Mehrere Spieler sind infolge von Krankheiten oder Verletzungen noch nicht ganz fit - weshalb Schellenberg einige Leistungsträger in Ulm erst in der zweiten Hälfte einsetzte -, und die will er bis zur nächsten Partie am 30. August beim VfB Stuttgart in Form bringen. Auch wenn ihm zwischendurch Heinloth, Plattenhardt, Manuel Müller und Patrick Walleth fehlen, weil sie an einem DFB-Lehrgang teilnehmen.

Das erste Heimspiel bestreiten die Club-B-Junioren am 3. September gegen den FC Bayern München. Und das erste Bundesliga-Lokalderby mit dem Aufsteiger aus der Nachbarstadt Fürth steigt am 27. September - beim «Kleeblatt«.

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