Verband ermittelt

Sexismus-Eklat: Rufe gegen Schiedsrichterin - DFB leitet Untersuchung ein

Johannes Lenz

Online-Redakteur

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04.04.2025, 21:01 Uhr
Schiedsrichterin Fabienne Michel wurde zum Ziel sexistischer Anfeindungen.

© IMAGO/sport/presse/foto Jens Dün/IMAGO/Dünhölter SportPresseFoto Schiedsrichterin Fabienne Michel wurde zum Ziel sexistischer Anfeindungen.

Der Deutsche Fußball-Bund hat wegen des Verdachts der sexistischen Äußerungen gegenüber Schiedsrichterin Fabienne Michel beim Drittliga-Spiel zwischen dem SC Verl und Rot-Weiss Essen Ermittlungen eingeleitet. Die Unparteiische soll Medienberichten zufolge bei der 0:3-Niederlage von RWE am vergangenen Wochenende durch Essener Fans beleidigt worden sein.

„Rot-Weiss Essen ist in diesem Zuge gemäß der Rechts- und Verfahrensordnung angeschrieben worden und nun zu einer schriftlichen Stellungnahme aufgefordert“, teilte Alexander Feuerherdt, Leiter Kommunikation und Medienarbeit der DFB Schiri GmbH, mit. Man begrüße die aufgenommenen Ermittlungen ausdrücklich, hieß es. „Gerade die Unterstützung und der Schutz der Schiedsrichterinnen ist uns sehr wichtig und hat hohe Priorität.“

Schiedsrichterin stand RWE-Profi im Weg

Fabienne Michel war unmittelbar vor dem 1:0-Führungstreffer der Verler ein Fehler unterlaufen. Die 30-Jährige stand RWE-Profi Klaus Gjasula im Weg, als dieser Verls Torschützen Berkan Taz am Abschluss hindern wollte. Gjasula beschwerte sich und sah daraufhin die Gelbe Karte - seine fünfte in dieser Saison, weshalb er im Heimspiel gegen Hansa Rostock am Sonntag (19.30 Uhr) gesperrt ist.

RWE-Anhänger sollen Michel im Laufe des Spiels mit sexistischen Gesängen beschimpft haben. Nach Informationen von sportschau.de war der Vorfall zunächst nur eine Randnotiz. Dem DFB sei der Fall sogar erst durch die weiterführenden Recherchen bekanntgeworden. Nun laufen die Untersuchungen.

Sexismus: Alltäglich im Fußball?

Der Sportschau zufolge waren bundesweit in der Spielzeit 2023/2024 knapp 2.700 Schiedsrichterinnen in Deutschland aktiv, was einer Frauenquote von unter fünf Prozent entspricht. Ein Teil der Problematik: Jeder fünfte männliche Schiedsrichter steigt über die Jahre wieder aus, bei ihren Kolleginnen ist die Ausstiegsrate höher: Jede dritte Schiedsrichterin kehrt dem Schiedsrichterwesen wieder den Rücken.

Für Thaya Fester, Kriminologin an der Universität Tübingen und Mitglied der DFB-Expertengruppe „Fair Play – gegen Gewalt und Diskriminierung“, ist dieser Umstand ein deutlicher Hinweis darauf, dass Sexismus ein treibender Faktor ist, der Frauen zum Ausstieg aus dem Schiedsrichterwesen bewegt.

Fanforscher Jonas Gabler vom Kompetenzzentrum Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit sagte gegenüber der Sportschau: „Sexismus ist im Fußball immer noch normalisiert.“ Ein derart massiver Fall von Sexismus wie gegenüber Fabienne Michel - und die Tatsache, dass dieser nicht ausreichend erkannt oder thematisiert werde - sei „ein deutliches Zeichen“ für die Normalität von Sexismus im Kontext des Fußballs.

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