Stolzer Jubilar im „Singenden Dorf“ Ottensoos
06.03.2012, 16:41 Uhr
Stolze 150 Jahre ist der Männergesangverein 1862 Ottensoos alt – ein respektabler Zeitraum, den es gebührend zu feiern gilt. Beim Festkommers füllten zahlreiche aktive und passive Musikfreunde die frühlingshaft dekorierte Mehrzweckhalle. Neben dem Jubelverein demonstrierten der Frauensingkreis und der Posaunenchor ihr musikalisches Können und verschafften so allen Festgästen einen unvergesslichen Abend, in dessen Mittelpunkt Ehrungen langjähriger Sänger und die Ernennung von Hans Göring, Erich Helmreich und Herbert Pölling zu Ehrenmitgliedern stand.
Dass sie allein mit ihren Instrumenten begeistern können, zeigten gleich zu Beginn die Bläser des Posaunenchors Ottensoos-Rüblanden, die den Festakt unter der Schirmherrschaft von Zweiter Bürgermeisterin Tanja Riedel mit einem kleinen Ständchen mit Fanfare und Choral eröffneten. Der Männergesangverein, begleitet am Klavier von Veronica Lobanova, verkürzte die Redepausen mit herrlichem Chorgesang und startete mit dem Lied „O Schutzgeist alles Schönen“ von Mozart.
Uneingeschränktes Lob von allen Seiten durfte Bürgermeister und MGV-Vorsitzender Klaus Falk von allen Festrednern entgegennehmen. In allen Ansprachen wurde deutlich, welch hohes Ansehen der Männergesangverein Ottensoos genießt. Im Namen des Fränkischen Sängerbundes, der heuer gleichfalls sein 150-jähriges Bestehen feiern darf, überbrachte FSB-Präsident Peter Jacobi die Glückwünsche von 1800 Chören und überreichte dem MGV Ottensoos eine Ehrenurkunde, als Würdigung erworbener Verdienste um die Pflege des Chorsingens und seiner bewährten Bundestreue.
„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“ wusste bereits der junge Nietzsche, als er im Juli 1861 das große „Deutsche Sängerfest“ in Nürnberg besuchte. Der „Gesangverein Lauf“ und die „Singgesellschaft Hersbruck“ sangen damals mit und trugen den Liedschatz in die heimatlichen Gefilde. Offenbar erzeugte dies positive Impulse, denn in der Folgezeit entstanden scharenweise Gesangvereine.
Jan Meier, Vorsitzender des Sängerkreises Hersbruck, verband seinen Dank für das große Engagement des MGV in all den Jahren mit der Bitte, auch künftig dem Chor mit der gleichen Begeisterung treu zu bleiben.
Einen musikalischen Geburtstagsgruß übergab der Frauensingkreis Ottensoos, 1977 gegründet aus dem Frauenkreis der evangelischen Kirchengemeinde St. Veit, mit „Intrade“ und „Mein Mund, der singet“. Der Posaunenchor Ottensoos-Rüblanden erfreute mit „What a wonderful world“ und dem „Lied an die Freude“. Stellvertretender Landrat Norbert Reh sprach seine Hochachtung für den Jubelverein aus, der immens viel zum Zusammenhalt der kulturellen Gemeinschaft beitrage und aus dem „Singenden Dorf“ nicht mehr wegzudenken sei. Vertreten war auch der befreundete Männerchor Reichenbach aus dem Saale-Holzland-Kreis bei Hermsdorf in Thüringen, der mit dem MGV Ottensoos seit der Wiedervereinigung die Geselligkeit und den sängerischen Wettstreit pflegt. Ralf Steingrüber, MC-Vorsitzender, freute sich über die erneute Begegnung.
Höchst unterhaltsam gestaltete MGV-Vorstand Falk seine Festrede: 150 Jahre höre sich sehr alt an und Männergesangverein – klinge das nicht ein bisschen antiquiert und angestaubt? Wohl nicht, denn viel Gutes und Lobendes war zu hören. Dass aus Falk ein aktiver Sänger wurde, verdankt er seinem Vater, der den 21-Jährigen in die Singstunde mitnahm, obwohl er nicht gerade davon überzeugt war, ob er es auch wirklich will. Die ersten Probenstunden ließen bald das altmodische „Alt-Herren-Club-Image“ verblassen. Es wurden Witze gerissen, Anekdoten erzählt, über Streiche gelacht und bis in den frühen Morgen hinein getrunken und gegessen. Natürlich wurde auch ernsthaft geprobt – es war eine tolle Gemeinschaft „nur unter Männern“. Die Chormitglieder sehen den wöchentlichen Probenabend als erforderlichen Ausgleich zum häufig stressigen Alltag.
Heutzutage ist der Chorgesang attraktiv genug, um gemeindliche und kirchliche Anlässe mitzugestalten. Der Chor begleitet die Bürger bei den wichtigsten Tagen in ihrem Leben: den Schönsten genauso wie den Traurigsten. Dabei ist Chorsingen ein Mannschaftssport wie Fußball: Die Arbeit und die Organisation verteilen sich auf viele Schultern.
Als Vorsitzender empfindet Falk daher Respekt sowie große Dankbarkeit gegenüber allen, die den Chor in diesen eineinhalb Jahrhunderten seines Bestehens getragen und geprägt haben. All den Männern, die in den zurückliegenden 150 Jahren das Vereinsleben und den Chorgesang verkörpert haben, gilt sein Dank. Ebenso den fördernden Mitgliedern und allen weiteren Unterstützern. Dabei vergaß er auch nicht die wohlwollende Bevölkerung von Ottensoos, Rüblanden und Umgebung.
Ein Fundament dafür sind die Mitglieder. Falk und sein Stellvertreter Heinz Ultsch ehrten für ihre aktive Sängertätigkeit für 25 Jahre Nikolaus Schmidt; für 40 Jahre Rudolf Polland, Herbert Goldbohm; für 50 JahreGeorg Ebneth und für 60 Jahre Theo Dürr. Für 25 Jahre Vereinszugehörigkeit wurden die aktiven Sänger Jürgen Schmidt, Reinhard Straußner und Wolfgang Walter ausgezeichnet und für 50 Jahre Dieter Preissler. Als passive Vereinsmitglieder erhielten Jörg Lankisch, Reinhold Utz und Frank Vogt für 25 Jahre; Josef Gradenegger und Gerhard Schönhöfer für 40 Jahre; Rudi Bartl und Herbert Müller für 50 Jahre auch ein Vereinsbild und einen Blumenstock. Zusätzlich wurde noch Fritz Ohr für sein Engagement geehrt. Außerdem wurde Chorleiter Gunter Schwarz gewürdigt. Als Nachfolger von Peter Zahn führt er seit 25 Jahren den Taktstock. Nach den Liedvorträgen des MGV: „Sulle riva del Lago Maggiore“, „Mein kleiner grüner Kaktus“ und „Das Dörfchen“ berichtete Schriftführer Jochen Häberlein über die Vereinschronik in „Wort und Bild“.
Nach dem gemeinschaftlich gesungenen „Frankenlied“ sorgte zum Ausklang des Festabends noch ein Überraschungstrio für Furore. Erstmals traten „Die drei Tenöre“ in Gestalt von Hans-Helmut Schmidt, Joachim Ruck und Alexander Birner auf. Für ihren grandiosen Auftritt ernteten die „Verrenkungskünstler“stürmischen Applaus.
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