Bei Markus Lanz

"Wird Deutschland treffen": SPD-Politiker Steinbrück warnt vor neustem Vorhaben von Donald Trump

03.04.2025, 06:15 Uhr
Bei "Markus Lanz" fand SPD-Politiker Peer Steinbrück deutliche Worte zur Politik von US-Präsident Donald Trump.

© Cornelia Lehmann, ZDF Bei "Markus Lanz" fand SPD-Politiker Peer Steinbrück deutliche Worte zur Politik von US-Präsident Donald Trump.

Fast kein Tag vergeht ohne neue Schlagzeilen rund um US-Präsident Donald Trump. Sei es sein hartes Durchgreifen bei der illegalen Migration, oder seine geplanten Zölle auf Importprodukte aus der ganzen Welt: Die Kritik an Trump reißt nicht ab. Auch bei "Markus Lanz" äußerten sich die Gäste äußerst kritisch zum politischen Handeln des amerikanischen Präsidenten, der seit nunmehr als 72 Tagen im Weißen Haus sitzt. "Wie würden Sie das beschreiben, was seitdem passiert ist?", wollte der ZDF-Moderator am Mittwochabend von Peer Steinbrück wissen. Der SPD-Politiker antwortete prompt: "Als eine Art Revolution."

Der ehemalige Bundesfinanzminister erklärte, dass er mit Blick auf die USA eine Einschüchterung und Erpressung seitens der Trump-Administration erkennen könne. "Dass jemand in so kurzer Zeit (...) ein solches politisches System und administratives System in der Lage ist, völlig aus den Angeln zu heben, hätten die Wenigsten von uns erwartet", so Peer Steinbrück ehrlich. Er fügte warnend hinzu, dass die Entwicklung beängstigend sei, denn: "Dieser amerikanische Präsident hat ein enormes Druck-Potenzial." Eine Analyse, die auch Journalistin Ursula Weidenfeld teilen konnte. Sie ergänzte: "Ich finde es total verblüffend, wie wenig sicher und fest die Gewaltenteilung verankert ist." Laut Weidenfeld sei es "schon atemberaubend", dass die USA "so schnell zusammenfällt" und "so fragil wird".

Elmar Theveßen über die Lage in den USA: "Es weckt Erinnerungen an all das, was wir aus Russland kennen"

US-Korrespondent Elmar Theveßen erklärte daraufhin, was hinter der vermeintlichen Strategie von Donald Trump stecken könnte: "Ich glaube, das ist Einschüchterung und Überwältigung, die Art und Weise, in dieser Masse diese Dekrete rauszuhauen." Laut Theveßen führe Trump mittlerweile ein Land, "das nicht mehr als Demokratie erkennbar ist, weil der Parlamentarismus spielt gar keine Rolle mehr. (...) Es wird alles aus dem Weißen Haus per Dekreten bestimmt". Die fatale Folge: "Alle fühlen sich überwältigt, weil keiner so richtig erkennt, wohin geht eigentlich die Reise?" Besonders besorgt zeigte sich der ZDF-Korrespondent darüber, dass mittlerweile die freie Presse "in Gefahr" sei: "Es weckt Erinnerungen an all das, was wir aus Russland kennen", so Theveßen ehrlich.

Auch Peer Steinbrück gab zu bedenken: "Was wir im Augenblick erleben, ist eine fundamentale Veränderung der globalen Verhältnisse." Grund genug für Lanz nachzuhaken: "Was ist das für eine neue Weltordnung, die da gerade entsteht?" Autor Michael Thumann antwortete: "Ich glaube, es geht sehr stark um Persönlichkeiten." Neben Trump und Putin seien laut Thumann vor allem Xi Jinping, Viktor Orbán oder Recep Tayyip Erdogan die wichtigsten Drahtzieher. "Man hilft sich (...) gegenseitig. Man guckt genau, was der andere macht. Man guckt sich die Methoden ab. Diese Art von Allianz der Autokraten ist insoweit Persönlichkeits-basiert. Das hat mit nationalen Interessen überhaupt nichts mehr zu tun", so der Autor. Dies brachte Lanz auf das geplante Zollpaket von Trump zu sprechen. "Das ist doch eindeutig gegen nationales Interesse der Amerikaner", stellte Lanz klar.

Ursula Weidenfeld glaubt "nicht, dass Trumps Verhalten dazu führt, dass die ganze Welt sich vom Welthandel abkehrt"

Markus Lanz sprach mit seinen Gästen über die Politik von US-Präsident Donald Trump.

Markus Lanz sprach mit seinen Gästen über die Politik von US-Präsident Donald Trump. © Cornelia Lehmann, ZDF

SPD-Politiker Peer Steinbrück nickte energisch: "Das ist völlig bescheuert!" Steinbrück wetterte weiter, dass es "eine irrsinnige Selbstbeschädigung" sei, da durch das Zollpaket "eine inflationäre Entwicklung" in Amerika drohe. Und damit nicht genug: "Das ist reine Voodoo-Ökonomie, die er betreibt. Und das Schlimme ist, dass er damit (...) möglicherweise eine Art Eskalation auslöst, (...) die weltweit zu einem wirtschaftlichen Einbruch führen kann." Peer Steinbrück warnte weiter: "Das wird in meinen Augen nicht zu einer Re-Globalisierung führen, aber zu einer tendenziellen De-Globalisierung. Und das wird Deutschland treffen."

Dem konnte Journalistin Ursula Weidenfeld nicht ganz zustimmen. Sie konterte: "Das glaube ich eben nicht!" Als Lanz überrascht fragte, was sie genau meine, antwortete Weidenfeld deutlich: "Ich glaube nicht, dass Trumps Verhalten dazu führt, dass die ganze Welt sich vom Welthandel abkehrt und isolationistisch und protektionistisch wird." Dennoch musste die Journalistin zugeben: "Es wird schwieriger, Herr Steinbrück. Ich bin total bei Ihnen - und der Freihandel wäre die beste Idee. (...) aber die Zeiten sind vorbei."

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