Professionell mit Mitarbeitern umgehen
16.12.2008, 00:00 Uhr
Konkret haben in diesem Herbst 51 Auszubildende in 37 Betrieben die Lehre aufgenommen. Die meisten Ausbildungsbetriebe gehören der Zeitarbeitbranche an.
Bei Olga Siewak ging alles ganz fix. Nach dem Abitur hatte sie zunächst zum Wintersemester angefangen, an der Friedrich-Alexander-Universität zu studieren. Doch sie hat schnell gemerkt, dass ihr die viele Theorie einfach nicht liegt. Sich selbst sieht sie eher als zupackenden Typ.
Und dann die Kosten: «600 Euro pro Semester allein nur für die Immatrikulation«, stöhnt sie. Das sei, zusammen mit der Fahrerei nach Erlangen, doch ganz schön viel. Jetzt bekommt sie monatlich 650 Euro brutto Lehrlingsgehalt. Außerdem hat sie viel mit Menschen zu tun, das gefällt ihr.
Keine Reue
Keine Reue also, dass sie kurzerhand das Studium an den Nagel hängte. Im Internet war sie auf das neue Berufsbild «Personaldienstleistungskaufleute« aufmerksam wurde: Mitarbeiter anwerben und auswählen, ihren Einsatz organisieren, Aufträge akquirieren, die verschiedenen Tarifverträge anwenden, all das erschien ihr attraktiv. Zudem hatte sie von mehreren Seiten gehört, dass viele Arbeitgeber mehr Wert auf praktische Erfahrungen als auf formale Studienabschlüsse legten. Alles sprach in ihrem Fall also für eine betriebliche Ausbildung.
Im zweiten Schritt schrieb sie ein Wochenende lang Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz. Zwei Dutzend mögen es geworden sein, doch von den meisten Arbeitgebern hat sie noch keine Antwort erhalten.
Schnell fündig geworden
Die braucht sie jetzt auch nicht mehr. Denn sie wurde sich schnell einig mit dem Zeitarbeitunternehmen ASP Service GmbH, das in Nürnberg und München zusammen rund 100 Mitarbeiter beschäftigt. Ein angenehmer Nebeneffekt für Olga Siewak: Ihre neue Lehrstelle liegt bei ihr zu Hause «gleich um die Ecke«. Jeweils donnerstags und freitags geht sie in die Berufsschule in Fürth.
Für die Branche handelt es sich bei ASP um eine eher kleinere Firma. Kein Wunder, «es gibt uns ja auch erst seit drei Jahren«, sagt Manuel Innig, der für die Nürnberger Niederlassung zuständige geschäftsführende Gesellschafter. Trotzdem ist ASP gleich mit zwei Azubis eingestiegen. Der Grund: Die anderen kaufmännischen Ausbildungen liefern «nicht das Bedarfsprofil, das wir brauchen«, sagt Innig. Ergo bleibe ihm nichts anderes übrig, als den Nachwuchs für den künftigen Bedarf selbst auszubilden. «Wir wollen ja in den nächsten Jahren weiter wachsen«.
An Interessenten habe es nicht gefehlt, berichtet der Geschäftsführer: «Wir haben sehr großes Interesse von den Bewerbern erlebt, zu drei Vierteln übrigens von jungen Frauen«. Dass der neue Beruf überhaupt einen solchen Bekanntheitsgrad genießt, liege zum einen an der breiten Berichterstattung. Aber auch die Bundesagentur für Arbeit habe «gute Arbeit geleistet« bei der Informationsverbreitung, meint Innig.
Für die Bewerber selbst sieht er gute Chancen, auch in anderen Branchen unterzukommen und Erfahrungen sammeln zu können. Gute Personalfachleute würden gesucht. Und wer in der komplexeren, regulierten Zeitarbeit den Durchblick erworben habe, schaffe die Aufgaben in einem Personalbüro allemal.
Andere Branchen machen mit
Aus Sicht der IHK ist das Berufsprofil breit ausgelegt, so dass in der Tat die Arbeit als «Personaler« durchaus mit abgedeckt ist, auch wenn gegenwärtig in der Hauptsache Zeitarbeitfirmen als Ausbilder eingestiegen sind. Aber es gibt Ausnahmen. Zu denen gehören Unternehmen wie der Autozulieferer Leoni und der Gebäudereiniger Fürst, die beide neuerdings ebenfalls Personaldienstleistungskaufleute ausbilden. Udo Göttemann leitet bei der IHK den Fachbereich Berufsausbildung und ist äußerst zufrieden über den «gelungenen Start« der neuen Ausbildung. Nach früheren Planungen wäre auch denkbar gewesen, die Zahl der Lehrlinge in dem Bereich zu verdoppeln, doch gab es zwei Hinderungsgründe: Zum einen die Finanzkrise, sie fördert die Vorsicht der Arbeitgeber.
Zum anderen der späte Startschuss vom Bayerischen Kultusministerium, das erst im Mai 2008 entschieden hat, die Beschulung in Fürth stattfinden zu lassen. Das sei zu spät für einen Ausbildungsgang, der bereits im September startet, meint Göttemann. Andere Bundesländer, etwa Nordrhein-Westfalen, seien da schneller gewesen.
Ist der Name «Personaldienstleistungskaufmann« nicht zu lang und umständlich? Die Bezeichnungen, so Göttemann, dürften erstens nicht hinter den Inhalten zurückstehen und zweitens nicht zu platt klingen. Als klassisches Beispiel nennt er den früheren «Werbekaufmann«. Ein allgemein verständlicher Berufsname, jedoch «mit einem negativen Touch«. Heute lautet der Titel «Kaufleute für Marketingkommunikation«. Kompliziert zwar, aber treffender, findet Göttemann. Denn die Fachkräfte beschäftigten sich mit viel mehr als nur mit Werbung.
Beruf muss attraktiv klingen
Man müsse sich auch immer fragen: Wie klingt das in Schülerohren? Schlechte Erfahrungen haben die Kammern etwa mit dem alten Namen «Handelsfachpacker« gemacht. Die Nachfrage bei den jungen Leute sackte weiter ab, in dem Maße, wie weit anspruchsvollere Tätigkeiten als das reine Packen dazukamen. Heute heißt der Beruf «Fachkraft für Lagerlogistik«. Und kommt wieder besser an bei der Jugend.