Viele Vorschläge - Studie in Arbeit
„Standort Nürnberg grundsätzlich interessant“: Bringt dieser Multisport-Riese Bewegung in die Pläne?
04.04.2025, 10:38 Uhr
Die erneute Insolvenz der Warenhauskette „Galeria Karstadt Kaufhof“ im Jahr 2023 beeinträchtigt auch weiter die Innenstädte der Bundesrepublik. Die US-Investmentgesellschaft NRDC und eine Beteiligungsfirma des Unternehmers Beetz sorgten für einen Neustart und die Übernahme. Neun Filialen mussten aber dennoch schließen. Aktuell gibt es noch 83 Standorte. Im Zuge dessen blieb in Nürnberg die Filiale an der Lorenzkirche bestehen, der Ableger in der Königstraße wurde geschlossen. Ein Jahr später kaufte die Stadt das Gebäude, seit 1. Oktober 2024 hat sie die Schlüssel und ist offiziell Besitzerin. Seit der Schließung steht der Koloss weitestgehend leer. Eine Studie soll verschiedene Szenarien für eine mögliche langfristige Nutzung des Baus untersuchen. Könnte diese Zukunft vielleicht etwas mit dem Multisportriesen „Decathlon“ zu tun haben?
Im Januar 2025 rief die Stadt Nürnberg interessierte Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich mit ihren Ideen zur Zukunft des ehemaligen „Kaufhof“-Gebäudes zu beteiligen. Rund 750 Menschen kamen vor Ort vorbei und brachten Vorschläge ein. Auch weitere rund 400 digitalen Zuschriften zeigen „das große Engagement und Interesse der Bürgerinnen und Bürger an der Entwicklung dieses zentralen Gebäudes“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung. Zu den zahlreichen eingebrachten Ideen gehörten demnach unter anderem Einzelhandels- und Gastronomienutzungen, eine Markthalle, ein Kongresszentrum, diverse Bildungseinrichtungen, ein Bürger- und Kulturzentrum, aber auch ein vollständiger Abriss und Neubau. Auch Beratungsangebote für Seniorinnen und Senioren, Räume für Schülerinnen und Schüler sowie Studierende, eine soziale Nutzung, die Umwandlung in Wohnraum oder eine öffentliche Nutzung und Begrünung des Daches wurden als Vorschläge eingebracht.
Was wird aus dem ehemaligen Galeria-Gebäude?
Diese Ideen sollen nun „strukturiert und in mehreren Schritten von den beauftragten Fachleuten analysiert“ werden. Im Frühjahr 2025 werde man die Ergebnisse der Konzeptstudie dem Stadtrat präsentieren, um eine fundierte Grundlage für die Entscheidung zur weiteren Nutzung des seit Oktober 2023 unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes zu bieten. Und genau da könnte der Multisportspezialist ansetzen. Weiße Flecken auf der Deutschlandkarte sollen getilgt werden. Im Gespräch ist laut „Tagesspiegel“ auch der Standort Nürnberg. Dazu würde passen, dass es die Franzosen auf Filialen in zentralen Fußgängerzonen abgesehen haben. So hatte das Unternehmen bereits im November laut „dpa“ erklärt: „Wir sind leider nicht überall in Deutschland präsent - obwohl wir wissen, dass wir eine größere Rolle spielen könnten. Zugleich gibt es in den Innenstädten sehr viele Gebäude, die einfach leer sind. Das ist unsere Gelegenheit“, wird „Decathlon“-Expansionschef Stefan Kaiser zitiert - und legte kürzlich in einer Pressemitteilung nach: „Wir wollen in den Top 15 Fußgängerzonen in Deutschland vertreten sein“. Diese Aussage lässt aufhorchen und könnte auch Nürnberg beinhalten.
Die Beteiligten halten sich dazu aber (noch) bedeckt. Das Unternehmen schreibt uns auf Nachfrage: „Derzeit können wir ausschließlich eine Ansiedlung an den Galeria-Standorten Konstanz, Duisburg, Freiburg, Trier und Kassel bestätigen. Eine Ansiedlung in der Filiale in Nürnberg ist derzeit nicht in Planung. Der Standort Nürnberg ist für uns aber grundsätzlich interessant, da wir immer auf der Suche nach geeigneten Möglichkeiten sind, unser Angebot näher zu unseren Kundinnen und Kunden zu bringen. Unser Expansionsteam prüft dabei auch potenzielle Standorte in der Nürnberger Innenstadt. Derzeit können wir jedoch noch keine konkreten Informationen oder Planungen bestätigen.“ Auch das Wirtschaftsreferat will sich nicht konkret äußern. „Aktuell führt die Stadt Nürnberg Gespräche mit verschiedenen Interessenten. Gerade weil sich diese Verhandlungen in einem laufenden Prozess befinden, ist es zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, Informationen bereitzustellen. Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir zum aktuellen Stand keine weiteren Auskünfte geben können“, richtet man dieser Redaktion aus.
Große Expansionspläne bis 2027
In einigen in Deutschland verbliebenen Warenhäusern von „Galeria“ zieht der französische Sportartikelhändler bereits ein. Die beiden Handelsunternehmen haben eine Zusammenarbeit vereinbart, wie aus einer gemeinsamen Mitteilung Ende März hervorgeht. „Decathlon“wird demnach im August das erste Geschäft im „Galeria“-Warenhaus in Konstanz eröffnen. Bis Ende 2025 sollen weitere in Duisburg, Freiburg, Trier und Kassel folgen. Es könnten aber „auch mehr werden. Nach den ersten erfolgreichen Tests plant Decathlon, weitere Filialen in Galeria-Häusern zu eröffnen“, heißt es weiter. Die Verkaufsflächen von Decathlonsollen demnach zwischen 1500 und 3500 Quadratmeter groß sein. Der Sportartikelhändler und -hersteller betreibt bundesweit rund 90 Filialen. Im November hatte das Unternehmen angekündigt, in den kommenden Jahren bis 2027 mehr als 60 neue Geschäfte eröffnen zu wollen. „Unsere Ambition ist, für die Deutschen zum Partner Nummer eins beim Sport zu werden“, so „Decathlon“-Chefin Barbara Martin Coppola. Geplant sei, bis zu 100 Millionen Euro in die Neueröffnungen und die Modernisierung bestehender Geschäfte zu investieren. Mehrere Tausend neue Arbeitsplätze sollen laut Decathlon-Deutschland-Chef Arnaud Sauret entstehen.
Der Sportfachmarkt in Deutschland ist einige Milliarden schwer - und umkämpft. Platzhirsch ist laut „dpa“ „Intersport“. Im Geschäftsjahr 2022/23 gehörten dem genossenschaftlich organisierten Verbund mehr als 700 Händler mit insgesamt gut 1400 Geschäften an. Der Umsatz lag bei rund 3,5 Milliarden Euro. Bis 2030 will der Primus hierzulande mindestens 100 neue Läden eröffnen, darunter große Premium-Stores. Der Umsatz soll sich bis dahin fast verdoppeln. Der zweite große Spieler ist der Einkaufsverbund „Sport 2000“ mit ähnlich vielen Läden. Der Umsatz im Jahr 2023: 2,95 Milliarden Euro. Die Franzosen - denen lange der Ruf als „Aldi des Sportfachhandels“ anhing - erlösten demnach zuletzt gut 1,1 Milliarden Euro.
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