Raus aus der „Blackbox“

Neue Offenheit: Wie kommt die Schufa zu ihren Bewertungen?

03.04.2025, 05:03 Uhr
Die Auskunftei Schufa verfügt über eine mächtige Datensammlung (Archivbild)

© Andreas Arnold/dpa Die Auskunftei Schufa verfügt über eine mächtige Datensammlung (Archivbild)

Transparenz statt „Blackbox“: Verbraucherinnen und Verbraucher sollen bei der Schufa künftig vollen Einblick bekommen, wie deren Bewertungen zur Kreditwürdigkeit zustande kommen. Die Auskunftei hat ihren sogenannten Score, der über die Bonität informiert, vereinfacht und verspricht: Auch Laien können diesen ohne großen Aufwand nachrechnen. 

Noch wird der neue Score getestet. Verbraucher können voraussichtlich im vierten Quartal 2025 darauf zugreifen - per kostenfreiem digitalem Einblick in ihre persönlichen Daten entweder in der Schufa-App oder online.

Was ist ein Bonitätsscore?

Solche Scores sollen das Zahlungsverhalten von Verbrauchern vorhersagen. Je höher der Wert, umso größer die Kreditwürdigkeit. Wer oft Rechnungen unpünktlich bezahlt und Mahnungen bekommt, wird schlechter eingeschätzt.

Bonitätsauskünfte der Schufa haben Gewicht (Symbolbild)

Bonitätsauskünfte der Schufa haben Gewicht (Symbolbild) © Andreas Arnold/dpa

Was ist anders am neuen Schufa-Score?

Aus mehr als 250 möglichen Kriterien hat die Schufa 12 ausgewählt, die aus ihrer Sicht am verständlichsten sind und die zugleich eine möglichst verlässliche Aussage über die Zahlungsfähigkeit liefern:

  • Alter der ältesten Kreditkarte
  • Alter der aktuellen Adresse
  • Anzahl von Anfragen und Abschlüssen für Girokonten und Kreditkarten in den vergangenen 12 Monaten
  • Kredit mit der längsten Restlaufzeit
  • Anzahl von Anfragen im Bereich Telekommunikation & (Online)-Handel in den vergangenen 12 Monaten
  • Alter des ältesten Bankvertrags
  • Immobilienkredit oder Bürgschaft
  • Aufgenommene Ratenkredite in den vergangenen 12 Monaten
  • Kreditstatus
  • Vorliegen einer Identitätsprüfung
  • Jüngster Rahmenkredit
  • Zahlungsstörungen 

Wie wird daraus eine Bonitätsbewertung berechnet?

„Jedes Kriterium, das in den Score einfließt, erhält Punkte, die ganz einfach zusammengerechnet werden können und die Gewichtung im Score widerspiegeln“, erläutert die Schufa. „Verbraucherinnen und Verbraucher können so künftig einfach nachvollziehen, welche Kriterien ihren persönlichen Score wie beeinflussen und Änderungen ihres Scores leichter verstehen.“ 

Je nachdem, wie viele der 100 bis 999 Punkte zusammenkommen, wird die Zahlungsfähigkeit in dem neuen Score als „hervorragend“, „gut“, „akzeptabel“, „ausreichend“ oder „ungenügend“ eingestuft.

Was bringt der neue Score mir als Verbraucher?

Für Verbraucher soll nachvollziehbar sein, wie der Score zustande kommt und was den Wert positiv oder negativ beeinflusst. Über ein persönliches Datencockpit will die Schufa Menschen ermöglichen, mit ihren Daten ihren persönlichen Score jederzeit zu simulieren: Welchen Einfluss hätte es, wenn ich einen weiteren Ratenkredit in Anspruch nehme? Wie verändert sich meine Bonitätsbewertung, wenn ich eine oder mehrere Kreditkarten kündige?

Verspricht mehr Transparenz: Die Auskunftei Schufa in Wiesbaden (Archivbild)

Verspricht mehr Transparenz: Die Auskunftei Schufa in Wiesbaden (Archivbild) © Andreas Arnold/dpa

Welchen Einfluss hat ein Schufa-Score?

Die Berechnungen der Auskunftei mit Sitz in Wiesbaden sind für Banken, Onlinehändler, Mobilfunkanbieter, Autohäuser und Energielieferanten ein wichtiger Maßstab. Sie wollen wissen, wie es um die Zahlungsmoral ihrer Kundschaft bestellt ist, bevor sie Verträge schließen und Waren übergeben. Unternehmen, aber auch Einzelpersonen wie Vermieter können Auskünfte einholen. Sie erhalten keine konkrete Auflistung der Verpflichtungen des Kunden, sondern dessen Scorewert. Der hat Einfluss darauf, ob und zu welchen Konditionen Verträge mit Verbrauchern geschlossen werden.

Mit welchem Score bekomme ich einen Kredit?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Die Schufa argumentiert, der Score sei nur ein Baustein. Sie selbst treffe keine Entscheidungen zum Beispiel über die Vergabe von Krediten oder den Abschluss eines Handyvertrages. Die Auskunftei unterstütze ihre Vertragspartner - zu denen Banken und Sparkassen, Versandhändler und Energieversorger gehören - mit Auskünften. 

Die Entscheidung für oder gegen ein Geschäft treffe letztlich das Unternehmen, mit dem ein Verbraucher einen Vertrag abschließen möchte. Eine Bank zum Beispiel fragt bei einer Kreditanfrage eines Kunden dessen Bonität bei der Schufa ab. Diese Daten reichert die Bank mit eigenen Informationen an: etwa Daten zu Einkommen und Ausgaben sowie Vermögen des Kunden. Schließlich hängt die Kreditvergabe auch von der Risikobereitschaft des Geldhauses ab.

Woher hat die Schufa meine Daten?

Die 1927 gegründete „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ erhält von ihren Vertragspartnern Informationen über die Eröffnung von Girokonten, die Ausgabe von Kreditkarten, den Abschluss von Leasingverträgen und Krediten.

Negativinformationen sammelt die Schufa zum Beispiel aus öffentlichen Registern wie Schuldnerverzeichnissen. Zudem speichert die Auskunftei persönliche Daten wie Name, Geburtsdatum und Anschrift, hat aber keine Informationen etwa über das Einkommen einer Person.

Nach jüngsten Angaben verfügt die Schufa über Informationen zu 68 Millionen Menschen in Deutschland. Zu mehr als 90 Prozent seien „ausschließlich positive Informationen gespeichert“. 

Wieso arbeitet die Schufa an einem neuen Score?

Die Auskunftei erklärt: „Da sich das Konsumverhalten der Menschen ändert, muss die Score-Formel regelmäßig angepasst werden.“ Zum Beispiel sei die Zahl an Minikrediten kräftig gestiegen. Zudem wechselten Verbraucher häufiger als noch vor zehn Jahren ihre Hausbank, weil sie regelmäßig auf Vergleichsportalen Konditionen vergleichen.

Über die App ihrer Tochter „Bonify“ gewährt die Schufa bereits Einblick in individuelle Daten (Symbolbild)

Über die App ihrer Tochter „Bonify“ gewährt die Schufa bereits Einblick in individuelle Daten (Symbolbild) © Peter Kneffel/dpa

Gibt es auch Druck von außen?

Verbraucherschützer fordern seit langem mehr Transparenz von der Schufa. Immer wieder musste sich die Auskunftei vorwerfen lassen, ihr Modell sei eine „Blackbox“, weil nicht offengelegt wird, wie der Score genau berechnet wird. 

Im Streit um die Frage, wie die Werte von Bonitätsauskünften wie der Schufa entstehen, stärkte der Europäische Gerichtshof mit einem Urteil im Februar 2025 die Position von Verbrauchern: Die betroffene Person habe das Recht, zu erfahren, wie die sie betreffende Entscheidung zustande gekommen sei.

Das Verfahren müsse so beschrieben werden, „dass die betroffene Person nachvollziehen kann, welche ihrer personenbezogenen Daten im Rahmen der automatisierten Entscheidungsfindung auf welche Art verwendet wurden“, stellte der EuGH klar (Rechtssache C-203/22).

Was ist ein Bonitätsscore?

Bonitätsscores sind Wahrscheinlichkeitswerte, die das Zahlungsverhalten von Verbraucherinnen und Verbraucher prognostizieren sollen. Je höher der Wert, umso höher die Kreditwürdigkeit. Wer Rechnungen regelmäßig unpünktlich bezahlt und oft Mahnungen bekommt, wird schlechter eingeschätzt.

Der in Deutschland bekannteste Score wird von der Wirtschaftsauskunftei Schufa mit Sitz in Wiesbaden berechnet. Aber auch andere Auskunfteien, wie Creditreform oder Crif erstellen solche Wahrscheinlichkeitswerte.

Unternehmen, aber auch Einzelpersonen wie Vermieter können bei berechtigtem Interesse Auskünfte einholen. Von der Schufa erhält dann zum Beispiel eine Bank jedoch keine konkrete Auflistung der einzelnen Verpflichtungen des Kunden, sondern dessen Score.

Welchen Einfluss hat ein Schufa-Score?

Die Berechnungen der Auskunftei sind für Unternehmen ein wichtiger Maßstab. Banken, Onlinehändler, Mobilfunkanbieter, Autohäuser, Energielieferanten - sie alle wollen wissen, wie es um die Zahlungsmoral ihrer Kundschaft bestellt ist, bevor Verträge geschlossen und Waren übergeben werden. Unternehmen nutzen Bonitätsbewertungen, um – oftmals automatisiert – zu entscheiden, ob und zu welchen Konditionen sie Verträge mit Verbrauchern schließen.

Bonitätsauskünfte der Schufa haben Gewicht (Symbolbild)

Bonitätsauskünfte der Schufa haben Gewicht (Symbolbild) © Andreas Arnold/dpa

Bonitätsauskünfte der Schufa haben Gewicht (Symbolbild)

Bonitätsauskünfte der Schufa haben Gewicht (Symbolbild) © Andreas Arnold/dpa

Mit welchem Score bekomme ich einen Kredit?

Die Schufa argumentiert, der Score sei nur ein Baustein. Sie selbst treffe keine Entscheidungen zum Beispiel über die Vergabe von Krediten oder den Abschluss eines Handyvertrages. Die Auskunftei unterstütze ihre Vertragspartner - zu denen Banken und Sparkassen, Versandhändler und Energieversorger gehören - mit Auskünften. Die Entscheidung für oder gegen ein Geschäft treffe letztlich das jeweilige Unternehmen.

Eine Bank fragt bei einer Kreditanfrage die Bonität des Kunden bei der Schufa ab. Diese Daten reichert die Bank mit eigenen Informationen an: etwa Daten zu Einkommen und Ausgaben sowie Vermögen des Kunden. Letztlich hängt die Vergabe eines Kredits auch von der Risikobereitschaft des Geldhauses ab.

Welche Daten sammelt die Schufa?

Zum Geschäftsmodell der 1927 gegründeten „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ gehört es, Daten zu sammeln. Die Schufa erhält von ihren Vertragspartnern Informationen etwa über die Eröffnung von Girokonten, die Ausgabe von Kreditkarten, den Abschluss von Leasingverträgen und Krediten.

Negativinformationen, die die Schufa erfasst, stammen zum Beispiel aus öffentlichen Registern wie Schuldnerverzeichnissen. Die Schufa speichert zudem persönliche Daten wie Name, Geburtsdatum und Anschrift, hat aber keine Informationen etwa über das Einkommen einer Person.

Wie groß ist der Datenpool der Schufa?

Nach jüngsten Angaben verfügt die Schufa über Informationen zu 68 Millionen Menschen in Deutschland. Zu mehr als 90 Prozent seien „ausschließlich positive Informationen gespeichert“. Pro Tag erteilt die Auskunftei nach eigenen Angaben im Schnitt 320 000 Auskünfte an Unternehmen.

Über die App ihrer Tochter „Bonify“ gewährt die Schufa bereits Einblick in individuelle Daten (Symbolbild)

Über die App ihrer Tochter „Bonify“ gewährt die Schufa bereits Einblick in individuelle Daten (Symbolbild) © Peter Kneffel/dpa

Über die App ihrer Tochter „Bonify“ gewährt die Schufa bereits Einblick in individuelle Daten (Symbolbild)

Über die App ihrer Tochter „Bonify“ gewährt die Schufa bereits Einblick in individuelle Daten (Symbolbild) © Peter Kneffel/dpa

Was wird bei der Berechnung der Kreditwürdigkeit berücksichtigt?

Unter anderem: Wann wurde das aktuelle Girokonto eröffnet, wie viele Kreditkarten werden genutzt, wie viele laufende Ratenkredite müssen bedient werden? Außerdem interessiert sich die Schufa für laufende Immobilienkredite und ob jemand häufig online auf Rechnung einkauft.

Wieso arbeitet die Schufa an einem neuen Score?

Die Auskunftei erklärt: „Da sich das Konsumverhalten der Menschen ändert, muss die Score-Formel regelmäßig angepasst werden.“ So sei die Zahl an Minikrediten kräftig gestiegen. Zudem nutzen Verbraucher häufiger Vergleichsportale und wechselten in der Folge häufiger als noch vor zehn Jahren ihre Hausbank.

Was bringt ein neuer Score mir als Verbraucher?

Die Schufa verspricht vor allem Transparenz: Für Verbraucher soll nachvollziehbar sein, wie der Score zustande kommt und was die Bewertung positiv oder negativ beeinflusst. Über ein persönliches Datencockpit will die Schufa Verbrauchern ermöglichen, mit ihren Daten ihren persönlichen Score jederzeit zu simulieren: Welchen Einfluss hätte es auf meine Bonitätsbewertung, wenn ich einen weiteren Ratenkredit in Anspruch nehme? Wie verändert sich mein Score, wenn ich eine oder mehrere Kreditkarten kündige?