Rückzug vieler Kommunen

Konzept mit Versagens-Garantie? Streitfall Landesgartenschau - 2030 Nürnberg als Ausrichter geplant

02.04.2025, 08:59 Uhr
2024 richtete Kirchheim die Landesgartenschau aus. (Archivbild)

© Peter Kneffel/dpa 2024 richtete Kirchheim die Landesgartenschau aus. (Archivbild)

Sie soll eine Stadt beleben, grüner machen und dauerhaft verändern: die Landesgartenschau. Doch in den vergangenen Jahren zogen sich mehrere Kommunen in Bayern als Ausrichter zurück, im mittelfränkischen Langenzenn wird derzeit über eine Absage diskutiert. Was für und gegen das Konzept der Landesgartenschau spricht.

Pro:

  • Dieses Jahr richtet das oberpfälzische Furth im Wald die Landesgartenschau aus. Die Kommune erhofft sich laut einer Sprecherin „einen gewaltigen Schub nach vorne“ bei der Stadtentwicklung. Es seien etwa zwei stillgelegte Brauereien abgerissen und ein Dutzend Brücken neu gebaut worden. Eine Durchgangsstraße sei nun eine Flaniermeile. In der Innenstadt soll eine dauerhaft attraktivere Wohnumgebung entstehen.
  • 2030 soll die Landesgartenschau in Nürnberg Halt machen und die fränkische Metropole widerstandsfähiger gegen den Klimawandel machen. Die Kommune will die Gartenschau laut einem Sprecher mit Maßnahmen verknüpfen, um besser gegen Starkregenereignisse und die Erhitzung der Alt- und Innenstadt gewappnet zu sein.
  • Eine Landesgartenschau bringt Fördergelder in die Kommunen. Der Freistaat hat die maximale Fördersumme auf bis zu sieben Millionen Euro erhöht. Bei den Investitionen beteiligt sich der Freistaat mit bis zu sechs und bei den Kosten für die Durchführung mit bis zu einer Million Euro.
  • Nach Angaben der Bayerischen Landesgartenschau GmbH, die alle Gartenschauen koordiniert, ist das Interesse am Konzept der Landesgartenschau ungebrochen hoch. Regelmäßig meldeten sich Kommunen, um über die Bewerbung und mögliche Fragen zur Umsetzung zu sprechen. Die bayerischen Städte hätten das Potenzial aufgrund von Fördergeldern und für die städtebauliche Entwicklung erkannt.

Contra:

  • Nicht in allen Fällen können Kommunen die Kosten für eine Landesgartenschau stemmen. Schweinfurt hatte sich 2022 als Ausrichter der Landesgartenschau 2026 zurückgezogen. Inflation, Energiekrise und sinkende Steuereinnahmen wurden als Gründe genannt. Auch das oberbayerische Penzberg erteilte der Landesgartenschau 2028 aufgrund der knappen Haushaltslage im vorigen Jahr eine Absage.
  • Die mit einer Landesgartenschau verbundenen Kosten bleiben trotz Förderung hoch. Nürnberg rechnet für die Gartenschau 2030 mit 46 bis 51 Millionen Euro, der Anteil der Stadt beläuft sich demnach auf 24 Millionen Euro. Furth im Wald gibt für die Gartenschau rund 29,5 Millionen Euro aus, rund ein Drittel davon übernimmt demnach die Kommune selbst.
  • Für eine erfolgreiche Umsetzung einer Landesgartenschau braucht es eine breite Unterstützung vor Ort. Nach dem Rückzug Schweinfurts bekam das oberbayerische Tittmoning den Zuschlag für die Landesgartenschau 2026. Da eine Bürgerinitiative ein Bürgerbegehren gegen die Gartenschau anstrebte, zog der Stadtrat die Reißleine und verzichtete auf die Ausrichtung. Im kommenden Jahr wird es aller Voraussicht nach keine Landesgartenschau in Bayern geben.
  • Wie wichtig eine frühzeitige Planung und breite Unterstützung ist, zeigt auch die 2032 geplante Landesgartenschau im mittelfränkischen Langenzenn. Zwischen Stadtrat und erstem Bürgermeister gibt es Streit über die Umsetzung des Projekts. Die SPD-Fraktion will über eine Absage der Landesgartenschau abstimmen, der parteilose Bürgermeister Jürgen Habel verhindert dies bislang mit Verweis auf eine mögliche Machbarkeitsstudie, die zunächst in Erwägung gezogen werden soll. Mittlerweile hat sich die Rechtsaufsicht im Landratsamt Fürth eingeschaltet. Und die Bayerische Landesgartenschau GmbH weist auf die verstreichende Zeit zur Planung hin.