Verbot vs. Coworkingspace

Immer mehr Cafés verbannen Laptops von ihren Tischen - Wie sieht es in Franken aus?

Minh Anh Nguyen

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03.04.2025, 05:00 Uhr
Ein Schild weist auf das Verbot von Laptops in einem Café hin.

© Sebastian Gollnow/dpa Ein Schild weist auf das Verbot von Laptops in einem Café hin.

Viele Gastronomen haben ein Problem mit Notebooks. Denn wer seinen Arbeitsplatz in ihr Café verlagere, bestelle oft nicht genug. Zwar beleben die mobil arbeitenden Menschen die Gaststätten einerseits zu Zeiten, wenn diese sonst nicht so gut besucht sind. Andererseits geschieht das dank zunehmendem Home-Office inzwischen so häufig, dass manche Café-Betreiber die Bremse ziehen. Sie verbieten Laptops am Tisch.

Auch eine Kette in Nürnberg sprach ein Laptop-Stopp aus. Am Wochenende sollen in allen Nürnberger Standorten des EspressoLabs Laptops vom Tisch. Wie der Geschäftsführer auf Anfrage erklärt, stoßen die Cafés während den kalten Jahreszeiten und gerade an Wochenenden und Feiertagen regelmäßig an ihre Kapazitätsgrenzen. Ein generelles Verbot existiert deswegen aber nicht, es sei vielmehr ein Appell, sagt Geschäftsführer Özgür Cam.

Den Verantwortlichen sei bewusst, dass Cafés unter der Woche oft als Rückzugsort zum Arbeiten und Lesen dienen, am Wochenende wolle man aber einen Raum für echte Begegnungen, Gespräche und soziale Nähe bieten: „Für uns gehören Wochenende und Feiertage der Familie und den Freundeskreisen – nicht dem Bildschirm“, erklärt Cam. Unter der Woche seien arbeitende Gäste durchaus willkommen, deswegen bieten die Filialen auch entsprechende Sitzplätze mit Steckdosen sowie freiem WLAN. Am Wochenende, wenn der Platz knapp wird, hoffe Cam auf ein „faires Miteinander“.

Es sei die Verantwortung des Cafés als Gastgeber, „Gastlichkeit für viele zu ermöglichen - nicht Exklusivität für wenige“. Deswegen wolle man am Wochenende nicht einen einzelnen Gast bedienen, welcher womöglich gar nichts konsumiert, um gleichzeitig anderen Gästen absagen zu müssen.

„Man soll lockerlassen. Viele Kunden sind damit sehr glücklich.“

Vincenzo Bozzato von der Café-Bar 8tto Grammi in Bayreuth betont ebenfalls den Aspekt der Gemeinschaftlichkeit, für seine Café-Bar gelten aber strengere Regeln. Hier gilt ein regelrechtes und immer geltendes Verbot: „Bei uns soll man sich eben die Zeit gönnen, genießen, einen Kaffee oder ein Aperol Spritz trinken. Man soll lockerlassen. Viele Kunden sind damit sehr glücklich.“ Andernorts, wo ein Großteil der Köpfe am Bildschirm hänge, vermisst er Unterhaltungen am Tisch. Und auch, dass die Gäste mit Kellnern und dem Barpersonal „mal kurz ins Gespräch kommen“.

Die Reaktionen auf den Notebook-Bann seien zweigeteilt, Bozzato berichtet, der Laden sei voll - trotz „ganz, ganz schlechter Bewertungen deswegen“. „Wir werden auch ab und zu beleidigt. Aber wenn man sich davon gestört fühlt, muss man sich halt einen anderen Laden suchen. Das kann ja jeder selbst bestimmen.“

Statt Verbot: Nürnberger Café zum Arbeiten

Ein anderes Konzept verfolgt das Café Yellow Tile in Nürnberg, das als besonders laptopfreundlich gilt und sogar einen eigenen „Workspace“ bietet. "Wir haben in unserem Café das große Glück, dass wir zwei Räume haben", erklärt Inhaberin Alina Schlabritz im Gespräch mit unserer Redaktion. Während ein Bereich dem klassischen Café-Betrieb dient, ist der andere gezielt als Arbeitsraum gestaltet – mit Steckdosen, einem großen Gemeinschaftstisch und mehreren Hochtischen.

Ein Laptop-Verbot käme für sie nicht infrage: „Es war unsere Intention, dass es extra Plätze gibt, für diejenigen, die arbeiten wollen, aber auch normale Kaffeeplätze“, sagt Schlabritz. Dass Gäste mit Laptop weniger konsumieren, kann sie nicht bestätigen – das sei individuell verschieden. Der einzige Unterschied sei, dass fokussierte Arbeitende seltener mit anderen ins Gespräch kommen. Der Aspekt der Arbeitsfreundlichkeit sei zwar hier ein wichtiger, am Wochenende muss der Workspace wegen des Platzmangels aber oft auch mal freigegeben werden. Grund dafür sei, dass auch Schlabritz jedem einen Platz bieten wolle.

Ein Laptop-Verbot wird es am Wochenende deswegen aber nicht gegeben, erklärt die Inhaberin, sie könne aber gut nachvollziehen, wenn andere das machen. Anders als im Café Yellow Tiles haben viele Lokale nämlich nicht den Vorteil durch zwei Räume.

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