Nürnberger Bar im Visier des IS?

Betreiber in Nürnberg sagt Party nach Anschlagsaufruf ab - Organisator will Zusammenhalt vermitteln

Minh Anh Nguyen

Online-Redaktion

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27.02.2025, 09:16 Uhr
Der Nürnberger Faschingszug: Eine IS-nahe Propagandaseite hat jüngst ein Plakat verbreitet, welches zu Anschlägen auf unterschiedliche Faschingsveranstaltungen aufruft.

© Günter Distler Der Nürnberger Faschingszug: Eine IS-nahe Propagandaseite hat jüngst ein Plakat verbreitet, welches zu Anschlägen auf unterschiedliche Faschingsveranstaltungen aufruft.

In den sozialen Netzwerken haben Islamisten jüngst zu Anschlägen aufgerufen und dabei vier konkrete Anschlagsziele genannt - eines der Ziele liegt in Nürnberg, berichtet die "Deutsche Presse-Agentur". Die Polizei nehme die Dinge sehr ernst, betont aber, dass es sich hierbei nicht um Drohungen, sondern um Aufforderungen handelt. Gegenüber der Nachrichtenagentur "News5" erklärte Janine Mendel, Pressesprecherin Polizei Mittelfranken, dass die Verfasser des Schreibens Einzeltäter motivieren möchten, Anschläge zu begehen. Auch deswegen sei die reelle Gefahr eines Anschlages aktuell gering. Trotzdem sagt ein Betreiber eine Veranstaltung nun ab.

Auf dem Plakat hatte der Verfasser speziell eine Nürnberger Bar als mögliches Ziel genannt, teilte Mendel der Nachrichtenagentur mit. Genauer sollte in der "Saigon Bar" kommenden Sonntag eine Feier des Vereins Global Locals e.V. stattfinden. Nach den Drohungen hatte der Betreiber die Veranstaltung aber abgesagt.

Hass keine Plattform geben

Im Gespräch mit der Redaktion erklärt Vereinsvorsitzender Christopher Andrews, dass die Meldung ihn überrascht habe, besonders da der Verein sich weder politisch noch religiös positioniert und alle Menschen willkommen heißt. Bisher hatten die Mitglieder keine Gelegenheit, um über die aktuelle Situation zu sprechen. Bezugnehmend auf die Drohung möchte der Vorsitzende aber betonen, dass er solchen Botschaften keine Plattform geben möchte. Es sei ein trauriger Vorfall, aber dass Organisationen damit möglicherweise Hass und Angst schüren, wolle er nicht. Die Sicherheitsbedenken und die schlussendlich Reaktion des Barbetreibers respektiere man.

Geplant ist zudem, dass der Verein gemeinsam mit seinen Mitgliedern am großen Faschingsumzug teilnimmt. Nach dem Aufruf wollen die Mitglieder sich jetzt erstmal besprechen. An dem Umzug will man aber unter einem Slogan teilnehmen: "International, Global Locals, helau". Andrews erklärt, dass die Organisation auch während des Umzugs ihre Botschaft vermitteln möchte - und zwar, dass sie friedlich und freudig alle und jeden willkommen heiße.

Barbetreiber äußert sich

Auf Anfrage der Redaktion erklärt die "Saigon Bar" Nürnberg, dass sie aufgrund "der hohen Anzahl an Anfragen" aktuell kein Gespräch anbieten können. "Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen". Am Mittwochabend wird der Barbetreiber dann aber konkreter. In einem Instagram-Beitrag schreibt die Nürnberger Bar, dass sie sich nun wegen einer Vielzahl von Anfragen und Nachrichten äußern möchte - auch um der allgemeinen Verunsicherung entgegenzuwirken. "Es ist korrekt", heißt es weiter. Die Bar und Veranstaltung wurde explizit im Aufruf genannt und dann von der Polizei kontaktiert.

Wie die Betreiber erklären, hat die Polizei mit beiden Parteien das weitere Vorgehen besprochen. Da der Aufruf sich auf den Zeitraum des 02. und 03. März bezieht, wird die Bar jetzt an beiden Tagen geschlossen bleiben. Die Veranstaltung am kommenden Sonntag abzusagen, habe man nach "eingehender Beratung und reiflicher Überlegung" beschlossen. Weiter wolle der Betreiber sich zum Thema nicht äußern. Dennoch wünscht er eine "angenehme und entspannte Faschingszeit, so gut es in der heutigen Zeit und in der aktuellen Lage eben möglich ist".