Wegen dunkelroter Ampel: Sporthallen schließen sofort
29.10.2020, 15:01 Uhr
Bis Montag darf noch geschwommen werden. Dass der Inzidenzwert in Nürnberg am Mittwoch auf 118,45 gesprungen gesprungen ist und die Corona-Ampel seitdem auf dunkelrot steht, ändert die Situation in den Hallenbädern nicht, weiß Christian Vogel. Er ist Erster Werkleiter bei NürnbergBad. "Bis Sonntag ändert sich nichts."
Großes Loch in der Kasse
Der Grund ist, dass die städtischen Bäder von Anfang an "auf Nummer sicher" gegangen sind, sagt Vogel. Die Anzahl der Personen, die pro Zeitfenster ins Langwasserbad oder Südstadtbad dürfen, hat die Stadt von Beginn an klein gehalten. "Außerdem haben wir genügend Pausen zwischen den Slots, damit unsere Mitarbeiter dort reinigen können". Sogar die Saunen haben in den meisten Bädern wieder geöffnet.
Ab Montag allerdings müssen auch die städtischen Bäder komplett schließen. Die städtischen Hallenbäder waren in den vergangenen Monaten nahezu komplett belegt. „In den vergangenen zwei Wochen hatten wir nur in vier Slots hier und da einen freien Platz“, so Vogel. Sogar das Schulschwimmen ist diese Woche wieder gestartet, zwar auf Kosten der Plätze für andere Schwimmer, aber auch das habe gut funktioniert.
Die Schließung jetzt aber trifft die Stadt hart, "zumal wir im November viele Saunagänger haben". Eben erst hat der städtische Eigenbetrieb das jährliche Minus von 6,5 auf 10 Millionen korrigiert, ohne die Schließung im November. Dass die Mitarbeiter nun in Kurzarbeit müssen, kann Vogel nicht ausschließen. "Im Frühling hatten wir viel zu tun, um die Freibäder vorzubereiten, das fällt jetzt weg."
Hallen ab sofort dicht
Sofortmaßnahmen muss dagegen der SportService ergreifen. Dafür genügt nämlich schon die dunkelrote Ampel. "Aufgrund des Infektionsgeschehens sind die städtischen Sporthallen ab sofort geschlossen", sagt Schul- und Sportreferentin Cornelia Trinkl. "Wir bedauern diese Entscheidung sehr, derzeit müssen wir jedoch soweit es geht Kontakte einschränken." Sie hofft auch, dass Vereine mit eigenen Hallen dem Beispiel folgen und ihr Training sofort aussetzen.
Schon auf die rote Ampel hat die Sportreferentin reagiert: Zwar durften in bereits geöffneten Turnhallen weiter trainiert werden, aber es wurden keine weiteren Hallen geöffnet. Eigentlich wollte die Stadt über die Turnhallenöffnungen "situationsbezogen täglich beziehungsweise wöchentlich neu entscheiden", sagt Trinkl. Die Entscheidung hat ihr die Regierung nun abgenommen.
Fehlende Transparenz
Auch den Post SV Nürnberg, Bayerns mitgliederstärksten Breitensportverein, treffen die neuerlichen Einschränkungen hart. "Ganz klar: Der zweite Lockdown wird uns finanziell noch mehr in eine Schieflage bringen", sagt der Vorstandsvorsitzende Andreas Neugebauer. Zuletzt sei die Mitgliederzahl von etwa 18.500 auf 16.500 gesunken, ein Rückgang um circa 12 Prozent also. Im neuen Jahr eine schwarze Null zu erreichen, dürfte äußerst schwierig werden, zumal sich nicht absehen lässt, wie lange die Einschränkungen diesmal andauern werden.
Dass etwas getan werden müsse, steht für Neugebauer außer Frage. Er vermisst allerdings die Transparenz, warum die politischen Entscheidungsträger gerade beim Sport oder auch in der Gastronomie ansetzen. In Bereichen also, in denen sich mögliche Infektionsketten wunderbar nachvollziehen lassen. "Unsere 500 ehrenamtlichen Übungsleiter haben sich vorbildlich verhalten“, sagt Neugebauer voller Stolz.
Lediglich eine Sportgruppe hat der Verein präventiv in Quarantäne geschickt. Nicht eine einzige hätte sich aufgrund einer Anordnung des Gesundheitsamtes isolieren müssen, betont der Vorstandsvorsitzende. Nach den Erfahrungen der Vormonate hofft er darauf, dass diesmal alle Hallen der Stadt sofort wieder zur Verfügung stehen, sobald der Lockdown beendet ist.
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