Kampagne geht durchs Netz

Kritik aus eigenem Haus: NDR-Volontärin rüffelt sexistische Sportschau-Werbung

03.08.2022, 09:54 Uhr
Kritik aus eigenem Haus: NDR-Volontärin rüffelt sexistische Sportschau-Werbung

© Twitter (@HippHuepp)

Für Millionen Deutsche hat der Samstagnachmittag wieder einen Sinn: Am 06. August startet die Bundesliga in ihre 60. Spielzeit. Um Zuschauer zu akquirieren, rührt das erste deutsche Fernsehen derzeit kräftig die Werbetrommel - und hat guten Grund dazu: In der abgelaufenen Saison haben deutlich weniger Menschen die traditionsreiche Sportsendung angesehen als in der Vorsaison.

Verlust von 17 Prozent

Einen Verlust von 17 Prozent verzeichnete die Sportschau im Vergleich zur Saison 2020/21. Nur noch 3,909 Millionen Menschen sahen sich die Fußballzusammenfassungen am Samstagabend an. „Der Verlust von fast 900.000 Zuschauern im Schnitt macht uns natürlich Sorgen“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky der dpa.

Wie die Sportschau nun versucht, Fußballfans vor die Mattscheibe zu locken? Mittels einer durchaus kreativen, breit angelegten Werbekampagne. Darin geht die Sportschau auf nervige Alltagsszenarien ein - als Licht am Ende des Tunnels wird dann auf die Bundesliga-Übertragung am kommenden Samstag verwiesen. Kostprobe gefällig? "Donnerstag: Ferienbeginn. Bei 30 Grad. Am Stauende. Freu dich auf Samstag."

"Mittwoch: Pony-Party deiner Tochter. Mit dir als Pony."

Wegen eines anderen Alltagsszenarios erntete die Sportschau nun reichlich Kritik im Netz: "Mittwoch: Pony-Party deiner Tochter. Mit dir als Pony. Freu dich auf Samstag!" Auffällig: Kritik am Werbespruch kam sogar aus eigenem Hause: So twitterte die NDR-Volontärin Nele Hüpper "Hey @sportschau - tolle Kampagne, die ihr euch da zum Start der #Bundesliga ausgedacht habt. Wirklich. Spricht mich voll an. Aber psssst. Ich hab gehört Mädchen und Frauen interessieren sich auch für Fußball. Und Jungs für Ponys." Zahlreiche Twitter-User schlossen sich der Journalistin an: Knapp 3000 Likes erntete der Tweet bis dato.

Eine Antwort der Sendung ließ nicht lange auf sich warten: Die Sportsendung reagierte in der Kommentarspalte des Tweets prompt mit den Worten: "Wir verstehen nicht, wieso sich die Mutter nach der Pony-Party mit ihrer Tochter nicht auf die Sportschau freuen darf?! Hier werden Eltern jedes Geschlechts angesprochen. Und dass sich Jungs nicht für Pferde interessieren würden, würden wir auch nie behaupten." Unter der Antwort sammelten sich zahllose Solidaritätsbekundungen von Usern, die sich von der Werbekampagne nicht gestört fühlten.

Was viele User stört

Doch was soll an diesem Tweet sexistisch sein, wenn dabei kein Geschlecht angesprochen wird? In einem Thread erklärt die Userin "Kristaldo", laut Twitter-Bio Feministin und Fußballfan, warum "Menschen diese Werbung problematisch finden können": Demnach funktioniere der Gegensatz einer lästigen Geburtstagsfeier der Tochter und dem erholsamen Sportschau-Abend nur, wenn die Party der Tochter negativ behaftet ist und als "Ausgleich zu diesem unangenehmen Erlebnis das Positive, nämlich die supertolle Sportschau am Samstag, steht."

Während das Verhalten, das der eigenen Tochter zugeschrieben werde, als "unspaßig, anstrengend müsahm geframed" werde, biete die Sportschau, welche in hohem Maße Familienväter anspreche, Erholung. Dabei greift die Nutzerin den Begriff der "Carearbeit" auf. Unter "Carearbeit" versteht man die Kinderbetreuung unter der beispielsweise auch das "Pony spielen" falle: "Die Sportschau sieht ihre Zielgruppe in Vätern, die sich, von ihrem anstrengenden, uncoolen Alltag genervt, was Gutes tun wollen, nämlich endlich Fußball gucken. Fußball ist also Erholung für Männer, die unter der Woche "Frauenzeug" (Carearbeit) machen mussten", schreibt die Userin.

Während die "Sportschau" mit der Aktion wohl einerseits viele Menschen zum Schmunzeln gebracht haben dürfte, sorgen Werbesprüche dieser Art heutzutage ebenso immer wieder für Gegenstimmen im Netz. Unabhängig davon dürfte die "Sportschau" am frühen Samstagabend wieder Millionen deutschen Haushalte beschallen.

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