Paket von Potsdam zielte wohl nicht auf Weihnachtsmarkt

02.12.2017, 16:02 Uhr
Polizei und die Stadt Potsdam schickten zusätzliche Streifen über die Märkte, um den Besuchern Sicherheit zu geben.

© Bernd Settnik (dpa) Polizei und die Stadt Potsdam schickten zusätzliche Streifen über die Märkte, um den Besuchern Sicherheit zu geben.

Einzelheiten könnten aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mitgeteilt werden, sagte ein Sprecher. Es werde weiter in alle Richtungen ermittelt. Unter nochmals verschärften Sicherheitsvorkehrungen haben die Weihnachtsmärkte in der Landeshauptstadt von Brandenburg wieder geöffnet. Polizei und Stadt schickten zusätzliche Streifen über die Märkte, um den Besuchern Sicherheit zu geben.

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) machte sich selbst einen Eindruck bei einem Besuch. „Wir sind glimpflich davongekommen“, sagte er. Jakobs sprach auch mit dem Apotheker, an den das Paket gesendet worden war. „Der Schreck ist natürlich noch nicht überwunden“, sagte er im Anschluss.

"So sicher, wie es im Leben sicher ist“

Auf den Weihnachtsmarkt kamen bereits am Mittag wieder Tausende Besucher, tranken Glühwein oder aßen Bratwürste. „Das Leben ist so sicher, wie es im Leben sicher ist“, meinte der 68 Jahre alte Rainer Peglow, der seiner dreijährigen Enkeltochter auf einem Karussell zusah. Da habe sich bestimmt irgendjemand wichtig machen wollen, meinte er über den Täter. „Das kriegt man schon raus.“ Eine Frau an einem Glühweinstand sagte, die umfangreichen Absperrungen am Vorabend seien völlig richtig gewesen. „Wir haben uns sehr sicher gefühlt.“

Am Freitag war ein verdächtiges Paket bei einem Apotheker abgegeben worden, der direkt am Weihnachtsmarkt sein Geschäft hat. Darin befanden sich Hunderte Nägel und ein sogenannter Polenböller, wie Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Freitag bekanntgegeben hatte.

Paket wieder zusammensetzen

Die Polizei kündigte an, das von Sprengstoffexperten unschädlich gemachte Paket für die Untersuchungen wieder zusammenzusetzen. Die Reste seien ins Kriminaltechnische Institut in Eberswalde gebracht worden. Die Auswertung werde einige Tage dauern.

Für die Fahndung setzte die Polizei eine Ermittlungsgruppe „Luise“ ein – benannt nach der Apotheke, an die das Paket geschickt worden war. In der Gruppe arbeiten rund 25 Kriminalisten. Der Vorwurf laute versuchte Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion. Es wurde auch eine Anfrage an alle anderen Bundesländer gestellt, ob jemals ähnliche Taten bekannt wurden.

Der Apotheker hatte Verdacht geschöpft und die Polizei alarmiert. Experten zerschossen das Paket mit einem Wasserstrahl. Eine Zündvorrichtung wurde nicht gefunden. Die Teilsperrung des Weihnachtsmarktes konnte in der Nacht zu Samstag aufgehoben werden. Das Paket soll nach Angaben von Schröter eine Absenderangabe gehabt haben, die aber falsch gewesen sein dürfte.

Besonnen und geduldig reagiert

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) wollte sich an der Brandenburger Straße – der Haupteinkaufsstraße – einen Eindruck vor Ort machen. Die Stadt dankte den Anwohnern, die am Freitagabend sehr besonnen und geduldig auf die stundenlangen Absperrungen reagiert hätten. Die Sicherheitsvorkehrungen waren bereits nach dem terroristischen Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche vor fast einem Jahr bundesweit noch einmal verschärft worden.

Am 19. Dezember 2016 war der Attentäter Anis Amri mit einem entführten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gefahren. Er tötete 12 Menschen und verletzte mehr als 70 weitere.

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