Neues aus der Welt der KI
Von gestreiften Kühen und anderen Absurditäten: Zerstört sich künstliche Intelligenz selbst?
08.08.2024, 09:50 Uhr
Spätestens seit Ende 2022 ist künstliche Intelligenz aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Damals ging der Chatbot "ChatGPT" der Firma OpenAI an den Start. Plötzlich war KI, so die Abkürzung von künstlicher Intelligenz, für alle Menschen verfügbar, auch für diejenigen, die sich davor noch nie mit dem Thema beschäftigt hatten.
Schnell wuchs auch die Furcht vor der Macht des Instruments. Würden "ChatGPT" oder andere KI-Modelle bald ganze Berufsgruppen ersetzen können und damit Menschen in diesen Positionen überflüssig machen? Noch ist das alles nur ein mögliches Szenario, doch die Furcht bleibt.
Denn: KI wird schlauer. Immer weiter trainieren die Entwickler ihre Modelle, damit diese immer bessere, immer menschenähnlichere Ergebnisse erzielen können. Egal ob Text oder Bild - KI versucht, Inhalte ununterscheidbar von menschlichen Erzeugnissen zu machen.
Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten wäre wichtig - auch für die KI selbst
Genau darum wäre eine Kennzeichnung, welche Inhalte mit KI generiert wurden, wünschenswert. Stand August 2024 gibt es in Deutschland jedoch keine generelle Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte. Lediglich Deepfakes, also Videos, die mithilfe von KI simulieren, dass jemand etwas sagt, was er oder sie in Wirklichkeit nie gesagt hat, müssen gekennzeichnet werden.
Eine generelle Kennzeichnung von KI-Inhalten wäre allerdings auch für künstliche Intelligenzen selbst hilfreich: So zeigten Forschende der Rice Universität in Houston in einer Studie, was passiert, wenn KI zum Lernen auf Daten zurückgreift, die ebenfalls von einer KI erstellt wurden. Um die Folgen bildlich zu demonstrieren, nutzten sie KI mit Schwerpunkt auf Bilderzeugung.
Das Ergebnis ist eindeutig: je länger die KI auf Basis der KI-generierten Bilder arbeitet, je mehr Wiederholungen das ihr zugrundeliegende Modell ausführt, desto schlechter werden die Bilder, die die KI selbst erstellt. So spuckt die KI, wenn sie den Auftrag erhält, ein menschliches Gesicht darzustellen, immer ähnlichere Gesichter aus. Oder - eine andere Variante der Verzerrung durch KI - die Personen weisen immer mehr gitterartige Narben im Gesicht auf, die von den Entwicklern als "generative Artefakte" bezeichnet werden.
Neue Generationen von KI-Modellen verlernen, was heutige Modelle noch wissen
Bei Tieren ist es das gleiche Spiel: Weiß eine KI von heute noch, dass Kühe gefleckt sind und vier Beine haben, so ist das neuen Generationen von KI-Modellen nicht mehr bekannt. Für uns Menschen entstehen dann unterhaltsame Ergebnisse, wie beispielsweise dreibeinige Kühe mit skurril verformten Eutern und Zebrastreifen-Musterung. Der Vorteil daran: wir erkennen sofort, dass diese Kühe nicht echt sein können.
Zusätzlich zur Bildverzerrung durch die KI selbst tragen aber auch wir Menschen dazu bei, dass KI zu falschen Ergebnissen kommt. So sind im Internet überproportional viele Bilder von glücklichen, lächelnden Menschen zu sehen. Klar, wer lädt schon ein Bild von sich hoch, auf dem er oder sie in Tränen aufgelöst ist?
Auch Blumen oder Blumensträuße fluten zuhauf das Netz. Auf Basis dieser Daten nimmt KI dann allerdings an, Menschen würden immer lächeln oder alle Pflanzen seien Blumen. Ein Trugschluss. Nach einigen Modellgenerationen ist es der KI so nicht mehr möglich, unglückliche Menschen oder beispielsweise ein Ahornblatt darzustellen.
KI könnte sich selbst zerstören, wenn nicht gegengesteuert wird
Sollte KI sich in Zukunft verstärkt mit KI-generierten Daten füttern, droht genau dieses Szenario. Die Systeme könnten an sich selbst ersticken, absolut dysfunktional werden und sich auf diese Weise selbst zerstören, so die Meinung von Experten. Die einzige Lösung, um diese Zukunft abzuwenden: eine klare Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten und der Ausschluss solcher gekennzeichneter Daten beim KI-Training.
Dann jedoch stünden die Entwickler vor der Herausforderung, ausreichende Mengen von Daten zu finden, die nicht KI-generiert sind. Es wird also immer deutlicher: Menschengemachte Inhalte werden auch in Zukunft unersetzlich und wertvoll bleiben - in vielerlei Hinsicht.