Neumarkt nimmt Abschied von Armen Schulschwestern
16.07.2015, 16:27 UhrSchwester Brigitte Helfer, die Fachunterricht in der Bräugassenschule erteilte, wird ein Altenheim der Schulschwestern in Weiden als Oberin leiten. Schwester Gunda Reichold, die Leiterin des Kindergartens in der Bräugasse, muss nach Oberbayern umziehen. Sie wird in Weichs im Landkreis Dachau im dortigen Kindergarten wieder mit den Kleinen arbeiten.
Die kirchliche Verabschiedung erfolgt bei einem Festgottesdienst am Sonntag, 19. Juli, um 9.30 Uhr im Münster St. Johannes. Bei einem Pfarrfamiliennachmittag ab 14 Uhr können sich dann Freunde und Bekannte der Schwestern von ihnen im Johanneszentrum verabschieden. Auch viele Nonnen, die früher in Neumarkt tätig waren, kommen zu diesem Anlass in die Jura-Stadt.
Die Entscheidung, dass der Konvent aufgelöst wird, ist im letzten Jahr gefallen. Der Orden der Armen Schulschwestern will sich aufgrund seiner Überalterung auf weniger Standorte beschränken
Domkapitular Münsterpfarrer Norbert Winner bedauert, dass mit Schwester Gunda und Schwester Brigitte zwei Stützen des pfarrlichen Lebens in Neumarkt verloren gehen, hat aber auch Verständnis für die Versetzungen. „Schwestern sollen in einer Gemeinschaft mit anderen Klosterfrauen leben und nicht in einem leeren Haus wohnen“ , sagte Winner.
Schwester Gunda, aus Roding stammend, hat neben ihrer Kindergartenarbeit viele weitere Aufgaben übernommen. Sie singt im Kirchenchor, leitet selber einen Kinderchor und gestaltet die Liturgie auf der Gitarre bei verschiedenen Gottesdiensten mit.
Viele Aufgaben übernommen
Schwester Brigitte ist Mitglied im Pfarrgemeinderat, betreut Alte und Kranke und bringt ihnen die Kommunion ins Haus, verfasste eine Schulchronik über die Bräugassenschule und arbeitete tatkräftig mit, als jetzt ein spezieller Kinderkirchenführer durch das Münster erstellt wurde.
Generationen von jungen Neumarkterinnen machten bei den Armen Schulschwestern die ersten Schritte in Kindergarten oder Schule. Am 1. Juli 1852 fand die offizielle Einführung der Schulschwestern statt. Damals war sogar die Ordensgründerin Karolina Gerhardinger dabei, deren großes Anliegen es war, die bisher vernachlässigte Bildung der Mädchen zu fördern.
Von den Nazis entlassen
Auch die Vermittlung religiösen Wissens war eine wichtige Aufgabe. Den Nationalsozialisten passte dies nicht und sie entließen 1937 die Ordensschwestern aus dem Schuldienst. Ein Aufschrei ging durch die Stadt. Es half aber nichts. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnten die Schulschwestern unter schwierigsten Bedingungen weitermachen. Bräugassenschule und Kindergarten waren nämlich ein Trümmerhaufen.
Doch in den folgenden Jahrzehnten nach dem Wiederaufbau konnten die Schwestern unter optimalen Bedingungen ihrer pädagogischen Aufgaben nachgehen.
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