5. Januar 1965: Blick ins Gedächtnis der Stadt

05.01.2015, 07:00 Uhr
5. Januar 1965: Blick ins Gedächtnis der Stadt

© Gertrud Gerardi

Zu seinem 100. Geburtstag zeigt ein stiller Mitarbeiter an der städtischen Kulturpolitik, das Stadtarchiv, viele Schätze aus seinen Beständen.

5. Januar 1965: Blick ins Gedächtnis der Stadt

© Gertrud Gerardi

Oberbürgermeister Dr. Andreas Urschlechter und Schul- und Kulturreferent Stadtrat Dr. Hermann Glaser eröffnen heute in der Halle des Pellerhauses am Egidienplatz die Jubiläumsausstellung. Sie illustriert nicht nur den Weg des Geburtstagskindes, sondern berichtet aus Nürnbergs reicher Geschichte.

Zu den wertvollen Stücken gehören die Stiftungsurkunde des Heilig-Geist-Spitals aus dem Jahre 1339, ein Ablaßbrief von 1476, auf italienischem Pergament von 12 Kardinälen ausgestellt, oder der Adels- und Wappenbrief Kaiser Rudolfs II. Von 1585 für die Brüder Martin und Balthasar Peller und deren Vetter Konrad Peller.

Selbstverständlich fehlt die Urkunde nicht, aus der Nürnberg das Recht ableitet, sich 915 Jahre alt zu nenne: sie berichtet von der Freilassung der Leibeigenen Sigena anno 1050. Auf dem Dokument, das als Leihgabe des Hauptstaatsarchivs im Stadtarchiv gehütet wird, steht unter dem Siegel Kaiser Heinrichs III. erstmals der Name Nürnbergs geschrieben.

Reiche Geschichte hinter Glas

5. Januar 1965: Blick ins Gedächtnis der Stadt

© Gertrud Gerardi

Der erste Teil der Ausstellung zum Geburtstag des Stadtarchivs, das am 2. Januar 1865 gegründet worden ist, befindet sich in der Halle im Erdgeschoß. Urkunden und Bücher aus reichsstädtischer Zeit, aus den Annalen des Heilig-Geist-Spitals und den Nürnberger Klöstern, Material aus Stiftungen, Familienarchiven, aus Vereins- und Handelsarchiven und aus den Beständen der Stadtverwaltung seit dem Jahre 1806 sind in neun Vitrinen zu sehen.

Ordnungen und Satzungen - „Ordnung und Satzung, wie es auf dem jetzigen Reichstag zu Nürnberg soll gehalten werden“ (24. Juli 1542) – Bekanntmachungen und Dekrete schmücken die Südwand der Halle. An der Westwand hängen alte Stadtpläne wie ein Grundriß von Nürnberg aus der Mitte des 16. Jahrhunderts von einem unbekannten Zeichner oder die einige Jahrzehnte später entstandene Glockendonsche Karte der Umgebung der Stadt. Die Ostwand zieren Baupläne; unter ihnen befindet sich auch die Ansicht des alten Hauses, an dessen Stelle später das Pellerhaus erbaut wurde.

5. Januar 1965: Blick ins Gedächtnis der Stadt

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Erinnerung an Dr. Mummenhoff

Der bescheidenere zweite Teil der Ausstellung vor den Büroräumen des Archivs illustriert die Geschichte des Stadtarchivs und berichtet von den früheren Archivdirektoren und ihrem Wirken. Er erinnert vor allem an den Mann,d er die Grundlagen für das heutige Archiv schuf und der wissenschaftlichen Erforschung der Nürnberger Geschichte neue Impulse gab. Er hieß Dr. Ernst Mummenhoff und leitete von 1883 bis 1921 das Stadtarchiv.

Die Ausstellung – sorgfältig trafen die Initiatoren eine knappe, übersichtliche Auswahl – rückt die fast unbemerkte Arbeit des Stadtarchivs in ein gebührendes Licht. Hier offenbart sich die Dokumentationszentrale der Stadt, die über umfangreiche Quellen verfügt: rund 21 000 Urkunden, 150 000 Akten und Rechnungsbände sowie 10 000 Pläne. Beim 100. Geburtstag steht der „Jubilar“ vor Aufgaben, die er sich zum Teil schon vor Jahrzehnten gestellt und noch nicht verwirklicht hat. Viel Arbeit bereiten die Neuordnung des Archivs und die Veröffentlichung der wichtigsten Quellen zur Geschichte der Stadt Nürnberg. Inflationen, wirtschaftliche und politische Krisen und nicht zuletzt die Zerstörung Nürnberg beim 80. Bestehen des Stadtarchivs stellten sich diesen Vorhaben in den Weg. Noch ist der Weg zum Zeil sehr mühsam, über alle Bestände mit Personen-, Orts- und Sachregister versehene Fundbücher zu schreiben.