Frust in Darmstadt

Fürth scheitert an der eigenen Ambitionslosigkeit: Was war Siewerts Plan gegen Darmstadt?

Erik Thieme

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05.04.2025, 19:31 Uhr
Jomaine Consbruch hatte kurz vor Abpfiff die beste Gelegenheit der Fürther.

© IMAGO/Sportfoto Zink / Jomaine Consbruch hatte kurz vor Abpfiff die beste Gelegenheit der Fürther.

Mit einem Sieg in Darmstadt hätte sich das Kleeblatt aller Abstiegssorgen entledigen und unbeschwert in die restliche Saison gehen können. Doch gegen die schlechteste Zweitligamannschaft des Jahres - Darmstadt holte vor dem Spiel gegen Fürth nur sieben Punkte in 2025 - enttäuschte die Spielvereinigung auf ganzer Linie.

Defensiv stand das Team von Jan Siewert in der ersten Hälfte noch sehr gut, in der zweiten Hälfte ließen sie dann zu viele Chancen zu. Die Offensive hingegen fand weder in der ersten noch in der zweiten Halbzeit statt. So muss die Frage erlaubt sein: Was war der Plan von Coach Siewert?

Konter als einziges Mittel

Auf der anschließenden Pressekonferenz zog der Trainer ein ernüchterndes Fazit. "Wir haben heute einfach kein gutes Spiel gemacht. Der Plan war den Gegner wegzuhalten, weil wir wussten, dass sie Druck haben. Wir wollten die Zwischenräume zumachen, was uns in der ersten Halbzeit auch gelungen ist." Damit wäre die Frage nach dem Plan zumindest theoretisch beantwortet, praktisch ist die Sache aber komplizierter.

Den Gegner erstmal vom eigenen Tor wegzuhalten ist der richtige Ansatz, gerade weil die Lilien in der Tabelle hinter dem Kleeblatt standen - jedenfalls vor der Partie - und dementsprechend mehr Druck hatten als die Franken. Es entschuldigt jedoch nicht den in jeglicher Hinsicht blutleeren und lustlosen Auftritt nach Vorne. "Wir haben wenig zugelassen und hatten das Gefühl, wir können mit Umschaltsituationen in Konter kommen. Die haben wir dann heute aber nicht gut ausgespielt, so wie in den letzten Wochen", versuchte Siewert eine Erklärung zu finden. Damit hat er zwar recht, untertreibt aber noch immer.

Denn die besagten Umschaltmomente führten im gesamten Spiel nicht ein einziges Mal zu einer gefährlichen Aktion, geschweige denn einem Torschuss. Nur zwei Abschlüsse aufs Tor verbucht die offizielle Bundesliga-Statistik. Ein Futkeu-Kopfball nach einer Ecke (17.) und ein Abschluss von Consbruch nach einem Fehler in der Darmstädter Abwehr (90.). Für einen abstiegsbedrohten Zweitligisten ist das viel zu wenig.

Personalnot darf keine Ausrede sein

Zur Wahrheit aber gehört genauso, dass mit Green (verletzt) und Hrgota (fünfte gelbe Karte) zwei der drei wichtigsten Offensivkräfte fehlten. Dass diese nicht 1:1 zu ersetzen sind und sich die Ausfälle auf das gesamte Spiel auswirken, ist logisch - eine Ausrede für einen derart uninspirierten Auftritt dürfen sie aber nicht sein.

Gerade mit Blick auf das Restprogramm der Fürther hätte man die Partie gegen Darmstadt definitiv offensiver angehen müssen. Aufsteiger Ulm ist der einzige der verbliebenen Gegner, der schlechter platziert ist als die Spielvereinigung. Zumal Darmstadt mit drei Niederlagen aus den vergangenen vier Spielen alles andere als selbstbewusst auftrat. Gerade in der ersten Hälfte gelang den Lilien kaum etwas, selbst einfachste Pässe über kurze Distanzen landeten regelmäßig beim Gegner. Dass Siewert trotz des Auftritts auch nach der Pause an seinem Plan festhielt, ist unverständlich. Dass er auch zwanzig Minuten nach Wiederanpfiff, in denen die Hessen immer besser ins Spiel fanden, nichts änderte, ist noch viel unverständlicher. Natürlich sind die Optionen von der Bank begrenzt. Doch nach sechzig Minuten mit nur einem Torschuss kann es auch mit unerfahrenen Einwechselspielern nicht wirklich schlechter laufen.

Bis zum Siegtor der Darmstädter nach 79 Minuten konnte man als Zuschauer nur den Eindruck gewinnen, die Fürther hätten gar kein Interesse an der Offensive, geschweige denn an drei Punkten. Die einzige Idee in der gegnerischen Hälfte waren Konter. Eine Alternative? Fehlanzeige. Mit einem torlosen Unentschieden hätte die Spielvereinigung immerhin zum zweiten Mal auswärts kein Tor kassiert, nun steht sie ohne jeden Erfolg da. War Siewerts Plan wirklich ein dröges 0:0?

Fairerweise lief es aber selbst nach der Einwechslung von Motika und Mause nicht besser, ein letztes Aufbäumen gegen die Niederlage konnte man der Mannschaft nun wirklich nicht attestieren.

Die Niederlage geht damit auch auf Siewerts Kappe, dessen Mannschaft zu keinem Zeitpunkt in der Partie den Eindruck erweckte, hier ein Tor schießen zu können oder überhaupt zu wollen. Kohfelds Team kassierte in dieser Spielzeit bisher 1,6 Tore pro Partie, nur fünf Teams kommen auf noch mehr Gegentore. Trotzdem brachte Fürth die schwache Defensive der Gastgeber nicht ein einziges Mal auch nur in Bedrängnis.

Blick nach vorne

In Darmstadt hat das Kleeblatt eine gute Gelegenheit verstreichen lassen, dem Thema Abstieg in dieser Saison ein Ende zu setzen. Kommenden Freitag kommt mit dem 1. FC Köln ein potenzieller Tabellenführer an den Ronhof, der mehr als nur favorisiert sein wird. Defensiv kann Siewerts Elf an die erste Halbzeit gegen Darmstadt anknüpfen, in allen anderen Belangen wird eine massive Leistungssteigerung nötig sein, um zu Hause zu punkten. Mit einer Rückkehr von Hrgota und Green dürfte es offensiv automatisch etwas besser laufen, darauf verlassen sollten sich die Franken aber nicht. Vor allem sollte Siewert dann aber einen Plan B in der Hinterhand haben, falls sein Matchplan nicht aufgeht. Gegen Köln wäre ein dröges 0:0 jedenfalls ein Erfolg.

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