Keine Tore

Nullnummer im heißen Ronhof: Kleeblatt und der FC Sankt Pauli trennen sich torlos

Michael Fischer

Sportredakteur

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19.08.2023, 15:22 Uhr
Das Kleeblatt und der FC Sankt Pauli bekarkten sich im Ronhof sehr, jubeln durfte am Ende keiner.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Das Kleeblatt und der FC Sankt Pauli bekarkten sich im Ronhof sehr, jubeln durfte am Ende keiner.

Wie gut der FC Sankt Pauli ist, zeigt ein Blick auf die Rückrundentabelle der vergangenen Saison. 41 Punkte holten die Kiezkicker im ersten Halbjahr 2023 - und damit sogar sieben mehr als der spätere Zweitligameister aus Heidenheim und sogar zehn mehr als der zweite Aufsteiger aus Darmstadt. Wären es in der Hinrunde nicht nur 17 Zähler gewesen, hätte der beliebte Trainer Timo Schultz wohl nicht gehen müssen - und wäre der FCSP jetzt, im zweiten Halbjahr 2023, wahrscheinlich Erstligist.

So aber schauten die Hamburger am Samstagnachmittag im Fürther Ronhof vorbei - bei einer Mannschaft, die ihnen in der so erfolgreichen Rückrunde gehörig Probleme bereitet hatte. Auch am dritten Spieltag der neuen Saison zeigten beide Mannschaften, dass sie zu den besseren der zweiten Bundesliga gehören. Die Fürther beschäftigten Sankt Pauli ordentlich, waren dem Sieg am Ende näher, verpassten diesen beim 0:0 aber - und stehen nach drei Saisonspielen bei vier Punkten.

SpVgg Greuther Fürth: Nur eine Änderung in der Startelf

Nach dem letztlich souveränen Auftritt beim Pokalspiel in Halle (1:0) sah Fürths Trainer Alexander Zorniger nur wenig Anlass, seine Startelf umzubauen. Maximilian Dietz rückte, wie bereits bei der Pressekonferenz am Donnerstag angekündigt, in die Startelf, dafür musste Damian Michalski trotz eines guten Comebacks auf der Bank Platz nehmen. Dietz übernahm dabei wieder seine angestammte Position rechts in der Dreierkette, Jung rückte dafür von rechts zurück in die Zentrale.

Vom Anpfiff weg war den Gästen die breite Brust nach den Erfolgen der vergangenen Monate anzumerken. Sankt Pauli spielte mit der von Zorniger bereits angekündigten und gelobten Ruhe und zwang das Kleeblatt mit seiner taktischen Herangehensweise zunächst, etwas defensiver zu agieren. Die beiden Außenstürmer Elias und Conner Metcalfe positionierten sich sehr breit und standen im Aufbau regelmäßig an der Seitenauslinie, sodass auch die eigentlich sehr offensiven Fürther "Schienenspieler" Simon Asta und Marco Meyerhöfer in der eigenen Hälfte gebunden waren.

Abgesehen von einem Steilpass auf Tim Lemperle, der aber von einem Hamburger beim Abschluss geblockt wurde, kam die Spielvereinigung zunächst kaum in die gegnerische Hälfte - und hatte auch nur wenig den Ball. Doch gefährlich wurden die Kiezkicker in der Anfangsphase auch nicht wirklich, beiden Mannschaften war der gegenseitige Respekt anzumerken. Sankt Paulis Eric Smith versuchte es nach elf Minuten erstmals aus der Distanz, schoss aber deutlich drüber. Kurz darauf holte Armindo Sieb gegen mehrere Hamburger die erste Ecke raus - die das Kleeblatt kurz ausführte, so aber keinerlei Gefahr kreierte.

Die entstand dafür in er 18. Minute, als Branimir Hrgota Lemperle in die Tiefe schickte, der aber aus 18 Metern knapp am Tor vorbeischoss. Es sollte für einige Minuten die letzte Torraumszene bleiben, dafür stand Schiedsrichter Tom Bauer zweimal im Mittelpunkt. Erst verwarnte er Hamburgs Kapitän Jackson Irvine nach einem Foul an Hrgota (19.), drei Minuten darauf sah auch Oladapo Afolayan Gelb - zu wenig nach Ansicht der Fürther, die vehement reklamierten. Und tatsächlich: Der Angreifer hatte Julian Green mit offener Sohle am Knöchel erwischt - und Glück, dass er nicht vom Platz flog.

Doch nach der Unruhe übernahm das Kleeblatt das Kommando und erspielte sich weitere Möglichkeiten. Sieb traf aber zunächst den Ball nicht richtig (31.), dann wartete Lemperle nach perfektem Zuspiel von Jonas Urbig zu lange mit Abschluss und wurde erneut geblockt (32.) - ehe mancher im Ronhof schon den Jubelschrei auf den Lippen hatte. Asta kam nach einem gutem Chipball von Dietz im Sechzehner zum Abschluss, schoss aber knapp am langen Pfosten vorbei (33.). Nach der kurzen Fürther Angriffswelle waren die Hamburger wieder um Ruhe bemüht - erst in der vierminütigen Nachspielzeit schoss Green aus der Distanz deutlich am Hamburger Tor vorbei.

Anschließend war Pause - in der der FCSP zweimal wechselte. Der gelbvorbelastete Afolayan blieb genauso wie Innenverteidiger Adam Dzwigala in der Kabine, dafür schickte Hürzeler Angreifer Danel Sinani und Abwehrspieler David Nemeth aufs Feld. Die erste Chance der zweiten Hälfte hatten dann auch die Hamburger, Smith schoss einen Freistoß aber deutlich am Tor vorbei (49.). Gefährlicher wurde es vier Minuten darauf, als die Gäste wie auf Knopfdruck im Mittelfeld das Tempo anzogen und Marcel Hartel freispielten, der aber knapp verzog.

Dennis Srbeny kommt für Armindo Sieb

In der 57. Minute reagierte Zorniger erstmals - auch auf die offensiv sehr ungefährliche Vorstellung seiner Mannschaft im zweiten Durchgang. Für den ausgepumpten Sieb, der nur wenige gute Aktionen hatte, kam Dennis Srbeny, der mit aggressivem Anlaufen sofort für mehr Wirbel in der Offensive sorgte - und in der 65. Minute in aussichtsreicher Position einen Übersteiger zu viel machte, sodass der Ball ins Aus rollte. Doch viel mehr passierte an beiden Ende des Feldes nicht, die hohen Temperaturen setzten allen 22 Spielern offensichtlich sehr zu.

Deshalb wechselte das Kleeblatt in der 70. Minute zweimal: Für Lemperle und Meyerhöfer kamen mit Lukas Petkov und Oussama Haddadi zwei frische Kräfte. Nur Sekunden darauf eroberte Jung den Ball weit in der gegnerischen Hälfte, Hrgotas Abschluss wurde aber, wie so viele andere, geblockt. Danach passierte zehn Minuten lang nur sehr wenig, ehe die Fürther auf das 1:0 drückten. Srbeny wurde gerade noch am Abschluss gehindert, dann verpasste Hrgota die Führung nach starkem Zuspiel von Itter nur um Millimeter (82.).

Fünf Minuten vor Schluss wurden auch die Gäste mal wieder gefährlich, der eingewechselte Andreas Albers schoss aber deutlich über das Fürther Tor. Kurz vor Schluss brachte Zorniger mit Dickson Abiama (für Hrgota) einen weiteren Angreifer, Damian Michalski übernahm Jungs Platz in der Dreierkette. In der fünfminütigen Nachspielzeit rettete Jonas Urbig im Fürther Tor bei einem aussichtsreichen Schuss von Hartel im Sechzehner, kurz vor Schlusspfiff jubelten die Gäste tatsächlich - doch Torschütze Andreas Albers war bei seinem Schuss im Abseits gestanden.

Nur Sekunden danach war Schluss. Nullzunull.

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