Produktionsausfälle und Sanktionen

Wegen Krieg in der Ukraine: Leoni senkt seine Prognose für 2022

Jana Vogel

Redakteurin in Roth/Schwabach

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14.03.2022, 14:24 Uhr
2017 eröffnete Leoni das Werk in Kolomiya in der Ukraine, nach dem russischen Angriff musste der Standort vorläufig geschlossen werden (Archivbild).

© Gregor le Claire, NN 2017 eröffnete Leoni das Werk in Kolomiya in der Ukraine, nach dem russischen Angriff musste der Standort vorläufig geschlossen werden (Archivbild).

Für den Automobilzulieferer Leoni ist der russische Krieg in der Ukraine zunehmend mit negativen wirtschaftlichen Auswirkungen verbunden. Am Montag gab das Unternehmen in einer Mitteilung bekannt, dass es deshalb einen niedrigeren Umsatz als bislang prognostiziert erwarte. Insbesondere geht der Vorstand davon aus, dass reduzierte Produktionsvolumina und teilweise Produktionsausfälle an seinen zwei Standorten in der Ukraine im Laufe des Geschäftsjahres 2022 nicht vollumfänglich aufgefangen werden können. Auch das lokale Russland-Geschäft des Leoni-Konzerns werde durch geopolitische Konsequenzen, etwa durch Sanktionsmaßnahmen, betroffen sein.

Eine konkrete Berechnung der zu erwartenden Auswirkungen will der Nürnberger Kabelhersteller vorerst nicht bekannt geben, dies sei aufgrund der derzeitigen hohen Unsicherheit nicht möglich. Für das laufende Geschäftsjahr wurde ursprünglich ein Umsatz von etwas unter 300 Millionen Euro für die beiden Werke in der Ukraine erwartet.

Mehrere Hundert Millionen Euro Umsatz betroffen

Für die russischen Aktivitäten des Leoni-Konzerns wurde bisher ein Umsatz von unter 100 Mio. EUR einkalkuliert. Zudem besitzt das Unternehmen Sachanlagen und Vorräte im Wert von rund 125 Millionen Euro in den beiden Ländern. Diese können zumindest teilweise an Wert verlieren. Insgesamt rechnete Leoni zuletzt mit einem Jahresumsatz von über 5 Milliarden Euro. Somit sollten zwar weniger als 10 Prozent davon in Russland und der Ukraine erwirtschaftet werden, allerdings sind weitere Schwierigkeiten wie etwaige Produktionsunterbrechungen auf der Kundenseite und Lieferantenseite noch nicht eingerechnet.

Die Ukraine galt bis zum Krieg als wichtiges Zentrum für die Herstellung von Kabelbäumen, etwa 7.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen produzierten diese zuletzt für Leoni an den beiden Standorten in Stryji und Kolomyja. Nach Beginn der russischen Invasion wurden sie aber aus Sicherheitsgründen zunächst nach Hause geschickt. Die Produkte von Leoni und anderen Herstellern fehlen nun den deutschen Autoherstellern. BMW hat in Dingolfing Kurzarbeit angemeldet und auch Audi drosselt seine Produktion in Ingolstadt. Der Leoni-Vorstand prüft aktuell, wie die negativen Auswirkungen bestmöglich kompensiert werden können, beispielsweise durch die Duplizierung von Produktionsvolumina.

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