3. Runde der NN-Rockbühne: "Pusteblume" hat längsten Atem
29.09.2014, 06:58 Uhr
Wer kauft eigentlich diese ganze Chartmucke, wer schaut die unzähligen Casting-Shows, und wie können sich all die House- und Blackmusic-Clubs in der Region halten? Unsere Jugend rockt doch! Und zwar nicht nur auf, sondern eben auch vor der Bühne.
Die dritte und somit letzte Vorrunde des alljährlich von den Nürnberger Nachrichten in Kooperation mit der Musikzentrale und dem Jugendamt der Stadt Nürnberg präsentierten Nachwuchs-Bandwettbewerbs, der von einer fachkundigen Jury bewertet wird, stand ganz im Zeichen der verzerrten Gitarren. Alle vier Gruppen hatten sich ihre eigene Fanschar mitgebracht, wenn nicht gar kurzerhand vor Ort erobert.
Breite Brust voll Blues
Eröffnet wurde der Abend von Straight Blue: Man könnte meinen, dem hünenhaften Sänger des Quartetts fehlen noch die whisky-gegerbten Widerhaken an den Stimmbändern, um dem psychedelischen Retro-Bluesrock gerecht zu werden, den sich die junge Band aus dem Kreis Schwandorf vorgenommen hat. Bei vielen Songs jedoch überzeugte Kilian Pietschs knarzende Stimme, während die Musiker geschlossen vor sich hinrumpelten, wie sich das gehörte.
Herausragend waren vor allem die bluesig-zerquälten Gitarrensoli von Martin Gersing. Doch leider wusste der Sänger während der Instrumentalteile oft nicht recht, wohin mit sich, war sich entweder zu wenig oder gar zu viel Requisite.
Hartes Brett Metal
Die fünf selbstbewussten Nürnberger Jungs, die darauf folgten, eroberten die Bühne bereits in dem Moment, in dem sie sie betraten. Wie ein Unwetter (also mit viel Donner und elektrischen Entladungen) fegten die Prog-Metaller Afgranonth über die Bühne. Ebenso routiniert und abgebrüht wie heftig und emotional schmetterte die Hardcore-Boygroup ihre Songs dem Publikum um die Ohren. Dass die Band erst ein Jahr alt ist, merkte man nicht.
Der Vier- und die beiden Sechs-Saiter der Band waren souverän aufeinander eingespielt, Nesthäkchen Moritz Pasemann frönte auf den Bass Drums eifrig seinem Restless-Legs-Syndrom, und Frontman Tim Gotter screamte wie ein Großer seiner Zunft. Auch bei den Gesangsparts überzeugte der 25-Jährige, was er vor allem bei einem Trivium-Cover unter Beweis stellte.
Der Teufel im Detail
Die Band Sequoia arbeitete zu Beginn ihres Auftritts gewissenhaft eine Liste von Anfängerfehlern ab, bis die vier Musiker aus dem Nürnberger Land Fahrt aufnahmen und sich solide durch ihr Set groovten. Frontmann Felix Bruck - neben Gitarre und Keyboard auch für den Gesang zuständig, welchen er sich wiederum mit Schlagzeuger Johannes Bauer teilt - wusste mit seiner rauen Stimme das Publikum mitzureißen.
Die Band mischte erdigen, 70er-geprägten Bluesrock mit Progressive-Verkünstelungen. Damit haben die technisch versierten jungen Männer sich allerdings etwas zu viel für den Anfang vorgenommen: Zu oft stolperten die ausgeklügelten Takt- und Tempowechsel, wo sie nur holpern sollten.
Die Schatztruhe in der Trickkiste
Als letzte Band trat Dandelion Revenge auf. In ihren schrägen Kostümierungen schienen sie direkt aus der Rappelkiste gepurzelt zu sein. Rappelig polterten sie dann auch los. Doch die fünf im Blues- und Hardrock der 70er und 80er verwurzelten Musiker spielten sich schnell warm und entpuppten sich nach den ersten Nummern als waschechte Rampensäue. Die Gruppe harmonierte und funktionierte, und nicht nur bei Sängerin Stella Popp, auch bei den beiden Gitarristen, saßen die Gesangs-Parts.
Schnell wurde ersichtlich, dass sie auch ohne den Griff in die Requisitenkiste ihr Handwerk - also eben nicht nur ihre Instrumente und das Zusammenspiel, sondern auch die perfekte Show - beherrschten. Es machte Spaß, der Band zuzusehen, eben nicht nur wegen der Retro-Rockstar-Verkleidungen, sondern vor allem weil sie mit Freude und Ehrgeiz bei der Sache waren und darüber zur Höchstform aufliefen. Die Frontfrau wälzte sich in ihren short Shorts über die Bühne, nur um im nächsten Moment ins Publikum zu hechten und den "Moshpit" anzuschieben.
Finale im November
Erst gegen Mitternacht ruhten im Jugendhaus Quibble die Trommelstöcke wieder, als die charmante Moderatorin Lisa Hübner die Gewinner bekannt gab. Dandelion Revenge hatten die Jury überzeugt und gingen als Gewinner des Abends hervor. Die zweitplatzierten Afgranonth hingegen konnten sich nicht für das Finale qualifizieren.
Drei Bands der beiden vorangegangenen Runden hatten in der Gesamtwertung punktemäßig die Nase vorne: So werden Dandelion Revenge beim Finale am 22. November im Hirsch auf die Doom-Kapelle Mother Mountain, die Grunge-Gruppe Repellent und die Alternative-Rocker Xirow treffen. Die Gewinner-Band darf dann im kommenden Jahr beim Mega-Festival Rock im Park ihr Können vor großem Publikum unter Beweis stellen.
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