Chemnitz wird Kulturhauptstadt: Die Entscheidung zum Nachlesen
28.10.2020, 16:47 Uhr
Das Votum für Chemnitz gab die Auswahljury am Mittwoch im Internet bekannt. Von ursprünglich acht Bewerberstädten waren zuletzt noch fünf im Rennen, außer Chemnitz noch Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg.
Kommentar: Chemnitz wird Kulturhauptstadt - der Konkurrent mit den stärkeren Bildern
Chemnitz will "all die Leute und Orte sichtbar machen, die man nicht sieht, und damit auch ein Chemnitz, das in Europa – noch – keiner auf dem Schirm hat", so das Bewerbungsteam. Mit kulturellen Mitteln sollen Gräben überwunden werden. Deutsche Kommunen wurden bisher drei Mal mit dem Titel ausgezeichnet. Das waren 1988 West-Berlin, die thüringische Klassikerstadt Weimar im Jahre 1999 sowie Essen und das Ruhrgebiet im Jahre 2010.
Hier verkündete die Jury ihre Entscheidung live:
Die Kulturhauptstadt-Entscheidung zum Nachlesen im Live-Ticker:
35 Kommentare
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M95L
....Aus der Nicht-Benennung Nürnbergs als Kulturhauptstadt Europas 2025 eine Niederlage abzuleiten, hielte ich für falsch. In einem Wettbewerb sehr unterschiedlicher Städte gibt es eben auch die, die nicht ausgewählt wurden.
Wer daraus Häme formuliert, kann das tun.
Kommentieren sollte man das nicht. Es sagt ohnehin mehr über den Verfasser, als über Nürnberg resp. die handelnden Personen aus.
Nach der Entscheidung der Jury richtige Schlüsse zu ziehen, Kraft und Mut in die Weiterentwicklung der Kulturstadt Nürnberg und der Region als Ganzes zu investieren, kann die verständliche Enttäuschung sehr wohl in ein gutes Folgekonzept überführen. Das Potential ist vorhanden, für alle Interessen, alle Altersgruppen, von der großen Kleinkunst bis zum Großereignis vor großem Publikum. Als Beispiel sei hier die - hoffentlich- mögliche Ansiedlung der Künstler im Torso der Kongresshalle genannt. Ein kraftvolles und buntes Zeichen gegen den gebauten Irrsinn der Nazi-Gesellschaft.
Letztlich entscheidet eine Stadtgesellschaft nicht nur über die Kosten, vielmehr über den Wert von Kultur, die ja bekanntlich viel mehr ist, als die Unterhaltung von Minderheiten in Abendgarderobe. Auch wenn Kultur in der Pandemie sich als länger andauernde Periode in der Stadtgeschichte darstellen wird.
Colostrum
Die Chancen standen ja nicht 50:50, sondern rein rechnerisch 20:100, um Kulturhauptstadt zu werden. Das Ausscheiden von Dresden in der 1.Runde hätte zu denken geben müssen, stattdessen wähnten sich einige im Kommunal-Wahlkampf als Titelgewinner. Nach 42 Monaten Bewerbungs-Marathon nahm die Überheblichkeit zu und es wurden vom Kulturbüro immer mehr einsame Entscheidungen getroffen, die verhängnisvoll waren. Etwa, dass man die Ratlosigkeit des Umgangs mit dem ehemaligen Parteitags-Gelände zum Hauptthema gemacht hat und dann mit Wagner, Meese und Riefenstahl ein unkritisches Helloween-Faszinations-Programm aufstellen wollte. Nun hat Chemnitz den Zuschlag bekommen: eine Stadt, die für die älteren Bürger immer noch Karl-Marx-Stadt heißt, weil es in der Geburtsurkunde so steht und die eigene Vergangenheit als "DDR in der DDR" noch nicht aufgearbeitet hat. Jetzt besteht die Hoffnung, dass die braunen Umtriebe mit einem Kulturprogramm in den Hintergrund gedrängt werden. Hoffen wir jetzt auf das Wunder von Chemnitz und stellen in Nürnberg alles auf den Prüfstand, was mit den Bürgern so nicht abgesprochen war. Es ist wichtig, dass Nürnberg von der Wolke 7 wieder auf den Boden der Tatsachen zurückfindet.
SchorschClooney
@lol
Ja, das wäre Kultur. So meine ich das auch. Das haben aber die, die einfach Geld ausgeben wollten und dazu das historische Tafelsilber mit anbieten gedacht, dass das einfach so reicht.
Werden die aber nicht verstehen und sich weiter selbst feiern.
lol
@SC ... wer definiert "Kultur" ?
wiki? br3 "Kultua"?, der bayrische Kultuaminster? die Allianz-Rück? Sie? ich?
Paris, Florenz oder Venedig ... solchen Städten steht so ein Titel zu ... eine Hauptstadt wechselt doch aber nicht alle paar Jahre !
und wenn doch ... dann muss das eben anders ... modern! ... klipp und klar definiert und auch verstanden werden
Kultur ist dann m.M.n. nicht selektierte Vergangenheit (Dürer ja - Hitler nein) ... sondern moderne Kunst, Architektur, Literatur ... eben halt Gegenwart und Zukunft !
... oder heutzutage noch "bitte" und "danke" sagen können, jemandem Fremden beim Einsteigen in den Bus den Vortritt zu lassen ... bemerken dass es einem Mitmenschen nicht gut geht ... oder einfach auch manchmal nur mal ... "lächeln"
;-)
Colostrum
Vielleicht lag es ja an der Darminstallation von Karl Marx, die Chemnitz zum Titel verholfen hat. Die Stadt Nürnberg muss jetzt in sich gehen und zugeben, dass die Bewerbung mit zuviel heißer Luft gestrickt wurde. Die unseriösen Pläne zur Umgestaltung der Kongresshalle in ein Kulturzentrum zum Beispiel- die so nie zu erfüllen gewesen wären - sprechen Bände und was die Konzeption rund um die Steintribüne betrifft, überzeugt es nicht, wenn wenige Tage vor dem Entscheid ein neuer Plan auftaucht. Bescheidenheit und Understatement hätten der Stadt mehr geholfen als provokante Pläne zum Beispiel mit Jonathan Meese. Es gibt jetzt einiges aufzuarbeiten.