Angst vor einem zweiten Fall Ansbach
02.09.2010, 00:00 Uhr
"Wir haben in den nächsten Tagen noch viele Gespräche zu führen", räumt Manager Thomas Schlecht ein. Immerhin sei die Gefahr gebannt, dass die Spieler das Heimspiel am Freitag gegen den ASV Zirndorf (Anpfiff 18.30 Uhr) boykottieren. "Dieses Spiel findet definitiv statt", verspricht Schlecht.
Die Akteure folgen damit nicht nur dem Aufruf des Managements, sondern auch den Ratschlägen des Ex-Trainers und des Ex-Kapitäns. "Ich habe den Spielern gesagt, sie sollen nicht streiken", so der Neu-Hersbrucker Markus Theil gegenüber unserer Zeitung. "Damit würden sie nur weiteres Öl ins Feuer gießen."
Wie es nach dem Zirndorfer Spiel allerdings weitergeht und wer noch für den SC 04 Schwabach spielen wird, steht derzeit in den Sternen. "Es gibt schon die Gefahr, dass es bei uns ein zweites Ansbach gibt", sagt Manager Schlecht. Zur Erinnerung: Nach der Enlassung Reiner Eisenbergers in der Bezirkshauptstadt hatte aus Solidarität mit dem langjährigen Mitspieler und jungen Coach fast eine ganze Mannschaft demissioniert. Ein halbes Dutzend davon hatte dann ja auch zwischenzeitlich beim SC 04 angeheuert.
Thomas Schlecht begründet die Entlassung Eisenbergers mit "Diskrepanzen in grundsätzlichen Dingen". Beim Trainer vermisste man offensichtlich die professionelle Einstellung und den absoluten Willen zum Erfolg. Zudem habe der Übungsleiter in der Saisonvorbereitung zu viel schleifen lassen. Als der Saisonauftakt dann mehr oder weniger in den Sand gesetzt wurde, zog Schlecht die Reißleine. "Es hat zwischen Management und Trainer meiner Meinung nach auch menschlich nicht mehr gepasst", ergänzt SC04-Vorsitzender Heinz Rabe.
Rücktritt angeboten
Manager Schlecht betont allerdings, dass Reiner Eisenberger von sich aus schon vor einigen Wochen nach etlichen Reibereien seinen Rücktritt angeboten habe. Man wollte es aber dann noch einmal bis Weihnachten miteinander versuchen, um sich in Ruhe nach personellen Alternativen umzusehen. Daraus ist jetzt jedoch nichts geworden.
Mit Robert Kovacic und seinem neuen Co-Trainer Edi Abel (noch bis zur Winterpause in Doppelfunktion als Trainer beim SV Ornbau) glaubt Schlecht die beste Lösung für den Verein gefunden zu haben. "Robert hat Visionen und auch eine Vorstellung davon, wie er sie Realität werden lassen kann." Unklar ist noch die Zukunft von Reiner Eisenbergers Co-Trainer und Torwarttrainer Michael Seitz. Thomas Schlecht und der für den Spielbetrieb zuständige Richard Nösel wollen Seitz eigentlich behalten, doch der schmeißt wohl das Handtuch - aus Solidarität mit Eisenberger.
Kapitel nach 18 Jahren beendet
Markus Theil hat derweil das Kapitel SC 04 Schwabach abgeschlossen - nach 18 Jahren. Seit seiner E-Junioren-Zeit hatte der 27-Jährige für die Schwabacher die Stiefel geschnürt. Jetzt geht er lieber für den Liga-Rivalen FC Hersbruck auf Torejagd, erstmals schon am Mittwoch beim 2:0-Sieg in Baiersdorf.
Hersbruck liegt für Theil nicht aus der Welt, weil er mit Hersbrucks Trainer, dem in Penzendorf lebenden Harry Gerstner, eine Fahrgemeinschaft bilden kann. Seiner Meinung nach habe es das Management seit vielen Wochen darauf angelegt, Reiner Eisenberger "wegzumobben". Dankbar sei er jedoch SC04-Vorsitzendem Heinz Rabe und dessen Stellvertreter Werner Linhart. "Die haben mir bei meinem kurzfristigen Wechsel keine Steine in den Weg gelegt. Das finde ich sehr honorig."
Und sein Kommentar zur Entlassung des bei der Mannschaft beliebten Coaches? "Ich weiß nicht, aber ich glaube, dass sich der Verein damit ein Eigentor geschossen hat."